Urheberrecht. Again.

Heute war ich bei der Digital Society in Wien zu einer Diskussionsrunde zum Thema “Freie Presse, Kunst & Urheberrecht”. Auf dem Panel waren Vertreter*innen von ISPA (Verein der Internet Provider in Österreich), Wikimedia, IG Autoren, Verein für Anti-Piraterie der Film- & Videobranche und Freischreiber. Es hat immerhin etwas über eine Stunde gedauert, bis der Moment gekommen war, an dem ich schreien wollte, aber dazu gleich noch.

Die Diskussionsrunde war sehr ausgewogen besetzt und die Standpunkte haben alle grundsätzlich ihre Berechtigung. Allerdings wurde auch bei dieser sehr kleinen Runde schnell deutlich, dass die gesamte Diskussion am eigentlichen Problem vorbei geht. So waren IG Autoren und der Verein für Anti-Piraterie der Film- & Videobranche einhellig der (laut vertretenen) Meinung: „ES GEHT NUR UM URHEBERRECHTSDURCHSETZUNG, ES GEHT NICHT UM UPLOADFILTER!“ Nun ja. Doch.

Sorry, but no sorry: An der Stelle klinkte ich mich dann das erste Mal in die Diskussion ein. Doch, genau darum geht es. Wie Claudia Garád von Wikimedia auch sehr richtig erklärte, leben wir in einer Zeit, in der die Demokratien rund um die Welt und nicht zuletzt in Europa deutlich bessere Zeiten gesehen haben. Das Recht auf freie Meinungsäußerung bewegt sich auf sein Ende zu parallel zum allgemeinen Rechtsruck, den die Demokratien überall gerade hinlegen. Da ist es nicht die sinnvollste Lösung, eine Technologie zu entwickeln und weltweit auszurollen, die in Nullkommanix dazu eingesetzt werden kann, jegliche (kritische) Äußerung im Netz einfach vor der Veröffentlichung einzukassieren und schlicht nicht auftauchen zu lassen. Den Filtern ist nämlich völlig schnurz, wer ihnen was füttert. Was sie einmal gelernt haben, dass es rausgefischt werden soll, wird gnadenlos rausgefischt. Sei es Satire, genehmigtes Zitat, Meme oder regierungskritischer Kommentar in einem Forum.

Es wird für das eigentliche Problem keine technische Lösung geben können. Das Problem ist nämlich kein technisches, sondern ein strukturelles im gesamten (Medien)System. Das eigentliche Problem ist die nicht vorhandene gerechte Vergütung von Künstler*innen und Autor*innen – und das wird in der ganzen Diskussion wenn überhaupt mal am Rand erwähnt. Da geht es, wie in den o.g. Äußerungen der beiden Vereine, immer um Rechtsdurchsetzung, um Urheberrechte, um Verlage und Plattenfirmen.

Weiters ist zu beobachten, dass der ganzen Diskussion ein – meines Erachtens – falsches oder zumindest sehr eingeschränktes Verständnis der Geschäftsmodelle von Google, Facebook und Co. zugrunde liegt. Die Plattformen verdienen kein Geld mit den eigentlichen Inhalten. Die Annahme “ich publiziere ein digital zugängliches Werk und Google und Facebook verdienen dann Geld damit” ist so nicht richtig. Die verdienen am eigentlichen Inhalt keinen Cent, sondern entweder mit Werbung, die sie drumrum (oder auch mittendrin) platzieren, oder mit der Auswertung und dem Verkauf von Metadaten, die mit der Konsumation des Werkes einhergehen (und die auch der Werbeschaltung zugrundeliegen) – also wer liest welchen Text wo, wie lange, mit welchem Gerät, welche anderen Seiten sind im nächsten Browserfenster offen, welche anderen Seiten hat die- oder derjenige vorher wie oft besucht, befindet sich die Person in einem fahrenden Zug, mit wem kommuniziert die Person, etc. pp. Dieses Verständnis für die Geschäftsmodelle sollte dringend in der Diskussion einen festen Platz bekommen, denn diese Geschäftsmodelle sind grundlegend dafür, wie das Internet mittlerweile funktioniert und bildet ganz eigene Abhängigkeiten, die viel weiter gehen als “die zeigen mein Werk und ich krieg kein Geld dafür”.

Tatsächlich geht es bei der ganzen Debatte allerdings genau darum, dass Musiker*innen, Künstler*innen, Autor*innen Kinder haben, die zur Schule gehen und vielleicht auf Klassenfahrt mitfahren wollen. Darum, dass diese Kinder etwas zum Anziehen brauchen, warme Schuhe für den Winter, etwas zu essen jeden Tag und vielleicht sogar ein Weihnachtsgeschenk. Es geht um konkrete Menschen, bei denen am allerletzten Ende der Kette gerade mal 4-8% von dem ankommen, was Leser*innen, Hörer*innen, Zuschauer*innen bezahlen. Die ganze Kette hat doch etwas, wenn von den € 12,90 Ladenpreis die Autorin nur 80 Cent erhält. Das Problem ist konkret, real und jetzt.

Wenn ich mal tot bin, interessiert es mich nicht mehr, bis wann mein Urheberrecht geht, es ist mir völlig egal, dass das Urheberrecht bis 70 Jahre nach meinem Ableben gilt. Im Gegenteil, ich finde es im täglichen Leben nur hinderlich; ich würde zum Beispiel gern öffentlich aus der deutschen Übersetzung von 1984 vorlesen wollen, doch das Werk ist hier noch immer urheberrechtsgeschützt, denn es gilt in dem Fall nicht einmal das Ableben des Autors, sondern des Übersetzers. Für die PrivacyWeek 2016 habe ich wochenlang versucht, die Rechte für eine öffentliche Lesung beim Verlag zu bekommen und nie eine Antwort erhalten. Außerdem: wenn Menschen mit anderen Handwerksberufen sterben, bekommen die Erben ja auch nicht jedes Jahr etwas ausgezahlt, nur weil das Haus, das der Großvater als Architekt designt hat, noch immer dekorativ im Stadtzentrum steht. Statt Urheberrecht bis 70 Jahre nach meinem Ableben hätte ich lieber jetzt mehr von dem, was meine Leser*innen für meine Bücher ausgeben. Und ich hätte nicht nur gern das von Herrn Ruiss (IG Autoren) lautstark zitierte Persönlichkeitsrecht, dass ich bestimmen kann, dass meine Texte nicht bei einer FPÖ oder AfD Veranstaltung vorgetragen werden dürfen, sondern ich hätte auch gerne das Recht zu sagen, dass ich nicht will, dass meine Leser*innen beim Lesen meiner Texte getrackt und die daraus entstehenden Daten verkauft werden. Das wäre mal etwas, das ins digitale Zeitalter passen würde.

Die Verlagsbranche steckt noch in den 1960ern, da werden #Uploadfilter überhaupt nichts ändern. Wie Peter Purgathofer in meinem Datenschutz Podcast so schön illustrierte: Die ersten Computer-Schreibprogramme sahen aus wie Schreibmaschinen: der Curser war immer am Ende des geschriebenen Textes und man konnte nur von hinten nach vorne weglöschen. Sie imitierten das Verhalten, das Schreibende von den bis dahin bekannten Schreibmaschinen kannten. Aber bald kam man drauf, dass das digitale Medium ganz andere Möglichkeiten eröffnete: mit dem Curser irgendwo in den Text gehen, ergänzen, ersetzen, … und heute haben wir mit Scrivener und Co. ganze Schreibumgebungen, die mit einer Schreibmaschine nahezu nichts mehr gemein, aber alle Möglichkeiten haben, die man sich als Schreibende/r nur wünschen kann.

Genau das muss bedacht werden, wenn es jetzt daran geht, das Urheberrecht zu reformieren. So wie die Buchbranche momentan läuft, halten die Verlage krampfhaft an den alten Modellen fest und versuchen, die analoge Maschinerie in die digitale Umgebung zu zwängen. Aber stattdessen brauchen wir etwas, das die Möglichkeiten, die völlig anderen Zusammenhänge und Mechanismen im Netz von vornherein mit bedenkt.

Natürlich ist es einfach, die ganze Debatte als Google- und Facebook-Bashing aufzuziehen. Aber das sind nur zwei Mitspieler auf einem verdammt großen Spielfeld mit 4 Dimensionen. Große Mitspieler, aber eben nur zwei davon. Es gibt aktuell über 6.000 Firmen, die Geld mit dem Handel von Metadaten und dem Abgleich von Cookie-Daten verdienen. Insgesamt sind Google und Facebook da noch unser kleinstes Problem. Aber alle wollen Google und Facebook schwächen und dafür die angestaubte Verlagsbranche ins digitale Medium übertragen.

Außerdem haben sie sich gerade zwei Umsetzungen ausgesucht, die mehr Probleme bringen, als sie lösen. Das Leistungsschutzrecht ist in Spanien und Deutschland bereits gescheitert, weil die, die es treffen sollte (Google), ratzfatz aus der Regelung ausgenommen wurden, nachdem Google sagte: So eine Regelung könnt Ihr schon machen, dann fallen Eure Inhalte eben bei uns raus. Und die Medienhäuser sagten: Ok, dann gilt das eben für alle außer Google! Stattdessen zahlen die Medienhäuser jetzt mehrere Millionen Euro, um € 30.000,- einzunehmen. Was genau soll die “big player” nochmal dazu bringen, dass sie das jetzt nicht wieder genauso spielen, nur weil dann “EU” dranseht?

Das noch größere Problem wären die viel zitierten Uploadfilter. Mit denen reißen wir gleich ganz andere Problemfelder auf. Die oben genannten, drohenden Zensurmaschinen sind keine Fiktion. Es ist nicht sehr lange her, dass in der NS-Zeit oder danach in der DDR freie Meinungsäußerung mit einem längeren Aufenthalt in einem Arbeitslager oder einem Stasi-Gefängnis endete. Und auch heute ist das keine abwegige Idee, im Gegenteil. Am Ende können wir nichtmal darüber schreiben, weil eine kritische Meinung irgendwem nicht passt & die Veröffentlichung durch eben diese Filter verhindert wird.

Ja, ich bin als Autorin von den Änderungen am Urheberrecht selbst betroffen. Ja, ich würde sehr gerne vom Schreiben leben können und natürlich sollen alle Kolleg*innen ihre Familen mit ihrem Handwerk ernähren und die Kinder zur Schule schicken können. Und genau darum geht es. Nicht, wie man die sperrige Verlagsbranche irgendwie in dieses Internet gequetscht kriegt, sondern wie man ein neues, ins digitale Zeitalter passendes Vergütungsmodell aufstellen kann, mit dem Künstler*innen und Autor*innen nicht mehr nur das Letzte in der Kette sind.

Mir ist der Preis zu hoch, den Leistungsschutzrecht (#linktax) und vor allem Uploadfilter mit sich bringen. Das ist nicht die Lösung für das Problem, sondern nur eine Auswucherung des Versuchs, die Medienindustrie ins Netz zu hieven. Davon hat niemand etwas außer den großen Plattformen, die jetzt bereits Uploadfilter im Einsatz und die Ressourcen haben, weitere zu bauen. Das Kapital müssten sie auch nur kurz auslegen, denn kleinere Plattformen werden weder das Geld noch die Ressourcen haben, um eigene Filter zu bauen. Stattdessen werden sie bei Google und Facebook Lizenzen für deren bereits im Einsatz befindliche Filter einkaufen. Und wie funktionieren Filter? Man lädt einfach alle Inhalte als Muster für den Abgleich in die Datenbanken der Filterhersteller hoch. Damit verfügen die “big player” dann ganz organisch binnen kürzester Zeit über alle Inhalte im Internet und sind jederzeit in der Lage, alles davon aus dem zugänglichen Netz verschwinden zu lassen.

Was mich immer wieder wundert ist der tiefsitzende Glaube, dass Technik die Probleme der Welt lösen wird. Ich habe ausreichend Technik scheitern sehen um überzeugt zu sagen, dass jede Technik Fehler hat. Uploadfilter mögen am Ende vielleicht zu 95 % akkurat laufen. Selbst wenn wir 99,8 % annehmen, kommt es hier auf das Verhältnis an. 99,8 % von angenommen 20 Milliarden Uploads weltweit pro Tag, da bleiben bei 0,2 % Fehlerquote 40.000.000, also 40 Millionen Fehler. Pro Tag. 40 Millionen Künstler*innen, die vielleicht ihre eigenen Texte/Musikstücke/Bilder nicht veröffentlichen können. 40 Millionen Familien, die vielleicht davon abhängen, dass dieses Stück an die Fans und Follower gelangt, damit auch im nächsten Monat die Miete bezahlt werden kann. Natürlich klingt 99,8 % nach viel und guter Trefferquote – solange man nicht zu den 0,2 %, also den 40 Millionen aus dem Beispiel zählt.

Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber es wird für das konkrete Problem, das in der Diskussion um die Urheberrechtsreform gerade mal am Rande erwähnt wird, keine technische Lösung geben können. Man kann keine sozialen Probleme mit Technik erschlagen.

Ein Vorschlag, der aktuell im Raum steht, ist z.B. eine Pauschalabgabe analog zur Festplattenabgabe, die dann an die Schaffenden verteilt werden könnte, so Julia Reda in der letzten Vienna Writer’s Podcast Episode. Andere Modelle sind eine (Teil)Finanzierung der Schaffenden via Crowdsourcing, zum Beispiel über Patreon oder Steady. Selfpublishing wird immer größer und liberalisiert den Markt, Autor*innen haben die Möglichkeit, (fast) direkt von ihren Leser*innen bezahlt zu werden (je nachdem, ob man Distributoren dazwischen haben will oder nicht). Es gibt viele Ansätze und es wird sich auch im Digitalen ein gangbarer Weg entwickeln lassen. Ein Modell, das in dieses Internet passt. Die TAZ lebt es ebenfalls bereits seit Jahren vor und bestreitet mittlerweile einen guten Teil ihrer Finnzierung durch die Paywahl (statt Paywall). Crowdsourcing ist ein Weg, den ich mir beispielsweise sehr gut vorstellen kann.

Manchmal muss man nicht immer mehr verbieten, sondern ein bisschen loslassen und eine natürliche Entwicklung zulassen können. Ja, wir brauchen Regelungen. Aber wir brauchen auch etwas Spielraum, um diejenigen einzubinden, die es ebenfalls trifft, die in der Debatte bisher aber nur als Störelement vorkommen: die Leser*innen, die Hörer*innen, die Zuschauer*innen. Nicht umsonst haben sich Plattformen wie Patreon und Steady entwickelt, denn die überwiegende Mehrheit der Menschen möchte den Schaffenden – ebenso wie Onlinemedien – eine Vergütung zukommen lassen. Autoren wie z.B. Cory Doctorow verkaufen ihre Bücher auf ihrer eigenen Website, weil sie damit 30 % mehr verdienen, als über Amazon. Es gibt Alternativen und gangbare Modelle überall im Netz, man muss sie nur sehen wollen und daraus lernen, wie es in Zukunft gehen kann. Und ganz bestimmt gibt es noch Möglichkeiten, die erst noch erdacht werden.

Ich bin optimistisch, dass es funktionieren kann, von der Kunst zu leben. Der Trend geht ja dort hin, wenn auch langsam. Mit einem freien und kreativen Internet können wir das schaffen. Nur Leistungsschutzrecht und Uploadfilter müssen wir vorher noch verhindern und uns an der Diskussion beteiligen, aus der Schaffende und Konsument*innen bisher offenbar herausgehalten werden.

Seid laut, redet mit.

#Urheberrecht #SaveYourInternet #article11 #article13

Ich freue mich über Euren Support

Ihr könnt mich und den Vienna Writer’s Podcast unterstützen, zum Beispiel auf Patreon. Alle anderen Möglichkeiten findet Ihr auf der Spendenseite

creative writing and beyond

Letzte Woche bin ich auf ein Format aufmerksam geworden, das ich sehr spannend finde: Paper.li. Menschen sammeln Artikel und Beiträge aus Bereichen, die sie interessieren und stellen sie in Form eines editierten Magazins ins Netz. Einige Mörderische Schwestern haben bereits eigene Magazine und heute flatterte eines aus dem Tech-Bereich über meine Twitter-Wall.

Heute war es dann soweit und ich musste der Sache nachgehen. Es ist wirklich sehr einfach, man kann in der Gratisversion bis zu 10 Quellen (z.B. Twitter Accounts bzw. Hashtags oder auch FB Seiten) hinzufügen und was dadurch bereits automatisch zusammenkomment editieren und durch manuell hinzugefügte Artikel noch ergänzen.

Nachdem fast jeden Tag etwas vorbeikommt, was ich spannend oder interessant finde oder der Meinung bin, dass Euch das auch interessieren könnte, habe ich das gleich einmal ausprobiert.

Mein wöchentliches Magazin zu den Themen kreatives Schreiben, Selfpublishing, eReading, Pod- & Pencasts und mehr findet Ihr hier.

Neues vom Buchmarkt

Apropos eBooks: e-book-news.de berichtete kürzlich, dass Self-Publisher achtmal (!) so viele Titel verlegen wie klassische Verlage. Schon eine beachtliche Summe. Und die Anzahl an Self-Publishern übersteigt die der Verlagsautoren um das 100-fache. Nicht zuletzt Amazon sei Dank. Besonders die ‘professional publishing services’ wie Lektorat, Coverdesign und Marketing, deren Absatz allein in der ersten Hälfte des Jahres 2013 um mehr als 50% gestiegen ist, werden zunehmend von Self-Publishern in Anspruch genommen. So verlieren die Indie-Bücher immer mehr von ihrem “Schmuddel-Ansehen”.

Noch vor einigen Jahren hieß es, wenn man einmal bei BoD oder sonstwo selbstverlegt hat, kann man sich bei keinem “althergebrachten Verlag” mehr blicken lassen. Aber so langsam die DiY-Welle auch beim Bücherschreiben über den großen Teich schwappt, so langsam kommt auch im deutschsprachigen Markt das angestaubte Gerüst der “renommierten Verlagswelt” ins Wanken. Auf der Frankfurter Buchmesse ist Self-Publishing in diesem Jahr das Top-Thema geworden. Frei nach dem Motto: “Diskutierst du noch mit Deinem Verlag oder verdienst Du schon?” – Oder für viele Jungautoren vielmehr: “Suchst Du noch verzweifelt nach einer Chance irgendwo hineinzurutschen oder hast Du schon Leser?”

Dank der Erfolge Amazon & Co. vermitteln nicht nur die offiziellen Bestseller-Listen einen falschen Eindruck – überhaupt messen die Branchenstatistiken den Wandel der Gutenberg-Galaxis wohl nur äußerst unzureichend. Der alte König im Leseland, vielleicht ist er auch in seinem Exil (=Buchmesse) längst nackt.

(e-book-news.de)

Print on Demand bei amazon.de

Gerade flatterte der Autorenhaus-Newsletter ins virtuelle Postfach. Die Neuigkeit: amazon.de stellt auf der Frankfurter Buchmesse einen eigenen Print-on-Demand-Service vor. Im Autorenhaus-Newsletter steht:

“Für Autoren hat das Amazon-Angebot große Vorteile:
Der Autor kann nun den Text seines Buches bei Amazon speichern lassen und bezahlt dafür. Sein Buchtitel wird auf die Website von Amazon.de mit seinen Millionen Kunden angeboten. Und sobald eine Bestellung für dieses Buch eingeht, wird es gedruckt und ausgeliefert. Die Vorteile: Das Buch wird vom
größten Internet-Buchhändler angeboten, Produktion und Vertrieb sind in einer Hand. Die Kundenbestellung bei Amazon löst den Druckauftrag aus, so dass das Buch von einem Tag auf den anderen ausgeliefert werden kann, versandkostenfrei und schnell.”

Klingt ja generell interessant, aber die Stelle “und bezahlt dafür” hätte ich gerne etwas genauer gelesen. Ein Vergleich mit BoD, lulu.com und anderen Anbietern könnte also vor der großen Jubelwelle angebracht sein. Richtig ist natürlich, dass Amazon eine zentrale Rolle beim Absatz von Büchern darstellt.

Der zweite interessante Punkt sind die Rechte am Werk. Im Newsletter steht weiter: “Es gibt […] bereits Literaturagenten, die sich vor Vertragsabschluss vom Verlag zusichern lassen, dass ihr Autor nur auf die konventionelle Art verlegt wird. Und dass die Nutzungsrechte nur solange im Besitz des Verlags bleiben bis diese Auflage verkauft ist, sich also nicht auf permanenter On-Demand-Basis weiterverlängern.”

Es tut sich offenbar viel und wie es scheint, drängt alles immer mehr zum on-Demand-Service hin. Technische Neuerungen, Wirtschaftskrise, Angst vor Jungautoren und deren Absatzzahlen… Und über allem schwebt der Traum vom “konventionellen” Verlagsvertrag.

EBM – Zukunftsmusik?

Der ein oder andere kennt “EBM” als Abkürzung für Electronic Body Music – wunderbare Musik (primär aus den 90ern) z.B. von Die Form oder Skinny Puppy. Nun gibt es “EBM” auch für Bücher!

Der Autorenhaus Verlag berichtet, dass BoD zusammen mit dem amerikanischen Unternehmen On Demand Books die Espresso Book Machine in Buchhandlungen im gesamten deutschsprachigen Raum einführen. Das hat nicht direkt etwas mit einer Verquickung von Kaffee und Büchern zu tun (was ich an sich auch sehr spannend fände), sondern: “Die EBM ist eine kompakte Anlage, die in wenigen Minuten Taschenbücher auf Bestellung produziert. Und das am Point of Sale, also direkt in Buchhandlungen. Diese können auf dadurch ihr Sortiment erweitern und Nischen- und kleinauflagige Titel anbieten, ohne dass sie zusätzlichen Lagerraum oder Regale brauchen. Und während der Buchkäufer seinen Espresso genießt, wird das von ihm bestellte Buch gedruckt und gebunden.” (Ok, also ein bisschen Kaffee gibt’s dabei doch… 😉 ) Auf der Homepage von On Demand Books steht: What Gutenberg’s press did for Europe
in the 15th century digitization and the Espresso Book Machine will do
for the world tomorrow.

Gerade für Kleinstauflagen unbekannterer Autoren bzw. Nischenpublikationen ist das natürlich eine Chance. Allerdings soll das Konzept wohl nur in größeren Buchhandlungen verwirklicht werden. Und das Stöbern bleibt für die Bookjunkies auch aus… Trotzdem eine gute Sache!

Espresso Book Machine

selfpublishing on the run…

Der BookCrossing-Newsletter flatterte gestern ins virtuelle Postfach und brachte tatsächlich Neuigkeiten mit sich: AuthorCrossing, ein Selfpublishing Projekt von BookCrossing und Wordclay, einem amerikanischen Selfpublishing-Anbieter à la BoD und lulu.com.

“AuthorCrossing – it’s a simple yet comprehensive self-publishing solution for authors of all shapes, sizes and talents. Whether your book is in progress, finished, or just an idea, click on over and see what AuthorCrossing can do for you.”

Zunächst einmal herrscht auch beim AuthorCrossing das übliche Vorgehen: Registrieren, Buchprojekt einrichten. Im zweiten Schritt sind drei Buchgrößen auswählbar, 8 1/4″ x 11″, 6″ x 9″ und 5″ x 8″, generell nur im Paperback. Das anschließende Hochladen des Manuskripts erfolgt im Word-Format. Auf den ersten Blick sehr unspektakulär und auch der zweite Blick macht es nicht besser. Es sind auch nach 10minütigem Suchen keine Preisangaben zu sehen, nur die “editorial services” winken mit Preisfähnchen zwischen 10 und mehreren hundert Dollar. Für das Manuskript sind außerdem nur Englisch und Spanisch als Sprachen auswählbar.

Insgesamt ja eine nette Idee, aber nur für den US-Markt ausgelegt. Außer dem Vertriebskanal übers BookCrossing ist auch sonst nichts Spannendes zu berichten. “Soon BookCrossing will be featuring our member authors at AuthorCrossing on our site. Plus, we’ll make it easy for you to explore and purchase books written by fellow BookCrossers.” Joa, da kann man auch bei BoD veröffentlichen und einen Stoß der eigenen Bücher vielleicht mit einer Notiz drin so in die Freiheit entlassen. Denn ob und wann AuthorCrossing auch zu den deutschsprachigen BookCrossern kommt, wird sich erst zeigen.