Urheberrecht. Again.

Heute war ich bei der Digital Society in Wien zu einer Diskussionsrunde zum Thema “Freie Presse, Kunst & Urheberrecht”. Auf dem Panel waren Vertreter*innen von ISPA (Verein der Internet Provider in Österreich), Wikimedia, IG Autoren, Verein für Anti-Piraterie der Film- & Videobranche und Freischreiber. Es hat immerhin etwas über eine Stunde gedauert, bis der Moment gekommen war, an dem ich schreien wollte, aber dazu gleich noch.

Die Diskussionsrunde war sehr ausgewogen besetzt und die Standpunkte haben alle grundsätzlich ihre Berechtigung. Allerdings wurde auch bei dieser sehr kleinen Runde schnell deutlich, dass die gesamte Diskussion am eigentlichen Problem vorbei geht. So waren IG Autoren und der Verein für Anti-Piraterie der Film- & Videobranche einhellig der (laut vertretenen) Meinung: „ES GEHT NUR UM URHEBERRECHTSDURCHSETZUNG, ES GEHT NICHT UM UPLOADFILTER!“ Nun ja. Doch.

Sorry, but no sorry: An der Stelle klinkte ich mich dann das erste Mal in die Diskussion ein. Doch, genau darum geht es. Wie Claudia Garád von Wikimedia auch sehr richtig erklärte, leben wir in einer Zeit, in der die Demokratien rund um die Welt und nicht zuletzt in Europa deutlich bessere Zeiten gesehen haben. Das Recht auf freie Meinungsäußerung bewegt sich auf sein Ende zu parallel zum allgemeinen Rechtsruck, den die Demokratien überall gerade hinlegen. Da ist es nicht die sinnvollste Lösung, eine Technologie zu entwickeln und weltweit auszurollen, die in Nullkommanix dazu eingesetzt werden kann, jegliche (kritische) Äußerung im Netz einfach vor der Veröffentlichung einzukassieren und schlicht nicht auftauchen zu lassen. Den Filtern ist nämlich völlig schnurz, wer ihnen was füttert. Was sie einmal gelernt haben, dass es rausgefischt werden soll, wird gnadenlos rausgefischt. Sei es Satire, genehmigtes Zitat, Meme oder regierungskritischer Kommentar in einem Forum.

Es wird für das eigentliche Problem keine technische Lösung geben können. Das Problem ist nämlich kein technisches, sondern ein strukturelles im gesamten (Medien)System. Das eigentliche Problem ist die nicht vorhandene gerechte Vergütung von Künstler*innen und Autor*innen – und das wird in der ganzen Diskussion wenn überhaupt mal am Rand erwähnt. Da geht es, wie in den o.g. Äußerungen der beiden Vereine, immer um Rechtsdurchsetzung, um Urheberrechte, um Verlage und Plattenfirmen.

Weiters ist zu beobachten, dass der ganzen Diskussion ein – meines Erachtens – falsches oder zumindest sehr eingeschränktes Verständnis der Geschäftsmodelle von Google, Facebook und Co. zugrunde liegt. Die Plattformen verdienen kein Geld mit den eigentlichen Inhalten. Die Annahme “ich publiziere ein digital zugängliches Werk und Google und Facebook verdienen dann Geld damit” ist so nicht richtig. Die verdienen am eigentlichen Inhalt keinen Cent, sondern entweder mit Werbung, die sie drumrum (oder auch mittendrin) platzieren, oder mit der Auswertung und dem Verkauf von Metadaten, die mit der Konsumation des Werkes einhergehen (und die auch der Werbeschaltung zugrundeliegen) – also wer liest welchen Text wo, wie lange, mit welchem Gerät, welche anderen Seiten sind im nächsten Browserfenster offen, welche anderen Seiten hat die- oder derjenige vorher wie oft besucht, befindet sich die Person in einem fahrenden Zug, mit wem kommuniziert die Person, etc. pp. Dieses Verständnis für die Geschäftsmodelle sollte dringend in der Diskussion einen festen Platz bekommen, denn diese Geschäftsmodelle sind grundlegend dafür, wie das Internet mittlerweile funktioniert und bildet ganz eigene Abhängigkeiten, die viel weiter gehen als “die zeigen mein Werk und ich krieg kein Geld dafür”.

Tatsächlich geht es bei der ganzen Debatte allerdings genau darum, dass Musiker*innen, Künstler*innen, Autor*innen Kinder haben, die zur Schule gehen und vielleicht auf Klassenfahrt mitfahren wollen. Darum, dass diese Kinder etwas zum Anziehen brauchen, warme Schuhe für den Winter, etwas zu essen jeden Tag und vielleicht sogar ein Weihnachtsgeschenk. Es geht um konkrete Menschen, bei denen am allerletzten Ende der Kette gerade mal 4-8% von dem ankommen, was Leser*innen, Hörer*innen, Zuschauer*innen bezahlen. Die ganze Kette hat doch etwas, wenn von den € 12,90 Ladenpreis die Autorin nur 80 Cent erhält. Das Problem ist konkret, real und jetzt.

Wenn ich mal tot bin, interessiert es mich nicht mehr, bis wann mein Urheberrecht geht, es ist mir völlig egal, dass das Urheberrecht bis 70 Jahre nach meinem Ableben gilt. Im Gegenteil, ich finde es im täglichen Leben nur hinderlich; ich würde zum Beispiel gern öffentlich aus der deutschen Übersetzung von 1984 vorlesen wollen, doch das Werk ist hier noch immer urheberrechtsgeschützt, denn es gilt in dem Fall nicht einmal das Ableben des Autors, sondern des Übersetzers. Für die PrivacyWeek 2016 habe ich wochenlang versucht, die Rechte für eine öffentliche Lesung beim Verlag zu bekommen und nie eine Antwort erhalten. Außerdem: wenn Menschen mit anderen Handwerksberufen sterben, bekommen die Erben ja auch nicht jedes Jahr etwas ausgezahlt, nur weil das Haus, das der Großvater als Architekt designt hat, noch immer dekorativ im Stadtzentrum steht. Statt Urheberrecht bis 70 Jahre nach meinem Ableben hätte ich lieber jetzt mehr von dem, was meine Leser*innen für meine Bücher ausgeben. Und ich hätte nicht nur gern das von Herrn Ruiss (IG Autoren) lautstark zitierte Persönlichkeitsrecht, dass ich bestimmen kann, dass meine Texte nicht bei einer FPÖ oder AfD Veranstaltung vorgetragen werden dürfen, sondern ich hätte auch gerne das Recht zu sagen, dass ich nicht will, dass meine Leser*innen beim Lesen meiner Texte getrackt und die daraus entstehenden Daten verkauft werden. Das wäre mal etwas, das ins digitale Zeitalter passen würde.

Die Verlagsbranche steckt noch in den 1960ern, da werden #Uploadfilter überhaupt nichts ändern. Wie Peter Purgathofer in meinem Datenschutz Podcast so schön illustrierte: Die ersten Computer-Schreibprogramme sahen aus wie Schreibmaschinen: der Curser war immer am Ende des geschriebenen Textes und man konnte nur von hinten nach vorne weglöschen. Sie imitierten das Verhalten, das Schreibende von den bis dahin bekannten Schreibmaschinen kannten. Aber bald kam man drauf, dass das digitale Medium ganz andere Möglichkeiten eröffnete: mit dem Curser irgendwo in den Text gehen, ergänzen, ersetzen, … und heute haben wir mit Scrivener und Co. ganze Schreibumgebungen, die mit einer Schreibmaschine nahezu nichts mehr gemein, aber alle Möglichkeiten haben, die man sich als Schreibende/r nur wünschen kann.

Genau das muss bedacht werden, wenn es jetzt daran geht, das Urheberrecht zu reformieren. So wie die Buchbranche momentan läuft, halten die Verlage krampfhaft an den alten Modellen fest und versuchen, die analoge Maschinerie in die digitale Umgebung zu zwängen. Aber stattdessen brauchen wir etwas, das die Möglichkeiten, die völlig anderen Zusammenhänge und Mechanismen im Netz von vornherein mit bedenkt.

Natürlich ist es einfach, die ganze Debatte als Google- und Facebook-Bashing aufzuziehen. Aber das sind nur zwei Mitspieler auf einem verdammt großen Spielfeld mit 4 Dimensionen. Große Mitspieler, aber eben nur zwei davon. Es gibt aktuell über 6.000 Firmen, die Geld mit dem Handel von Metadaten und dem Abgleich von Cookie-Daten verdienen. Insgesamt sind Google und Facebook da noch unser kleinstes Problem. Aber alle wollen Google und Facebook schwächen und dafür die angestaubte Verlagsbranche ins digitale Medium übertragen.

Außerdem haben sie sich gerade zwei Umsetzungen ausgesucht, die mehr Probleme bringen, als sie lösen. Das Leistungsschutzrecht ist in Spanien und Deutschland bereits gescheitert, weil die, die es treffen sollte (Google), ratzfatz aus der Regelung ausgenommen wurden, nachdem Google sagte: So eine Regelung könnt Ihr schon machen, dann fallen Eure Inhalte eben bei uns raus. Und die Medienhäuser sagten: Ok, dann gilt das eben für alle außer Google! Stattdessen zahlen die Medienhäuser jetzt mehrere Millionen Euro, um € 30.000,- einzunehmen. Was genau soll die “big player” nochmal dazu bringen, dass sie das jetzt nicht wieder genauso spielen, nur weil dann “EU” dranseht?

Das noch größere Problem wären die viel zitierten Uploadfilter. Mit denen reißen wir gleich ganz andere Problemfelder auf. Die oben genannten, drohenden Zensurmaschinen sind keine Fiktion. Es ist nicht sehr lange her, dass in der NS-Zeit oder danach in der DDR freie Meinungsäußerung mit einem längeren Aufenthalt in einem Arbeitslager oder einem Stasi-Gefängnis endete. Und auch heute ist das keine abwegige Idee, im Gegenteil. Am Ende können wir nichtmal darüber schreiben, weil eine kritische Meinung irgendwem nicht passt & die Veröffentlichung durch eben diese Filter verhindert wird.

Ja, ich bin als Autorin von den Änderungen am Urheberrecht selbst betroffen. Ja, ich würde sehr gerne vom Schreiben leben können und natürlich sollen alle Kolleg*innen ihre Familen mit ihrem Handwerk ernähren und die Kinder zur Schule schicken können. Und genau darum geht es. Nicht, wie man die sperrige Verlagsbranche irgendwie in dieses Internet gequetscht kriegt, sondern wie man ein neues, ins digitale Zeitalter passendes Vergütungsmodell aufstellen kann, mit dem Künstler*innen und Autor*innen nicht mehr nur das Letzte in der Kette sind.

Mir ist der Preis zu hoch, den Leistungsschutzrecht (#linktax) und vor allem Uploadfilter mit sich bringen. Das ist nicht die Lösung für das Problem, sondern nur eine Auswucherung des Versuchs, die Medienindustrie ins Netz zu hieven. Davon hat niemand etwas außer den großen Plattformen, die jetzt bereits Uploadfilter im Einsatz und die Ressourcen haben, weitere zu bauen. Das Kapital müssten sie auch nur kurz auslegen, denn kleinere Plattformen werden weder das Geld noch die Ressourcen haben, um eigene Filter zu bauen. Stattdessen werden sie bei Google und Facebook Lizenzen für deren bereits im Einsatz befindliche Filter einkaufen. Und wie funktionieren Filter? Man lädt einfach alle Inhalte als Muster für den Abgleich in die Datenbanken der Filterhersteller hoch. Damit verfügen die “big player” dann ganz organisch binnen kürzester Zeit über alle Inhalte im Internet und sind jederzeit in der Lage, alles davon aus dem zugänglichen Netz verschwinden zu lassen.

Was mich immer wieder wundert ist der tiefsitzende Glaube, dass Technik die Probleme der Welt lösen wird. Ich habe ausreichend Technik scheitern sehen um überzeugt zu sagen, dass jede Technik Fehler hat. Uploadfilter mögen am Ende vielleicht zu 95 % akkurat laufen. Selbst wenn wir 99,8 % annehmen, kommt es hier auf das Verhältnis an. 99,8 % von angenommen 20 Milliarden Uploads weltweit pro Tag, da bleiben bei 0,2 % Fehlerquote 40.000.000, also 40 Millionen Fehler. Pro Tag. 40 Millionen Künstler*innen, die vielleicht ihre eigenen Texte/Musikstücke/Bilder nicht veröffentlichen können. 40 Millionen Familien, die vielleicht davon abhängen, dass dieses Stück an die Fans und Follower gelangt, damit auch im nächsten Monat die Miete bezahlt werden kann. Natürlich klingt 99,8 % nach viel und guter Trefferquote – solange man nicht zu den 0,2 %, also den 40 Millionen aus dem Beispiel zählt.

Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber es wird für das konkrete Problem, das in der Diskussion um die Urheberrechtsreform gerade mal am Rande erwähnt wird, keine technische Lösung geben können. Man kann keine sozialen Probleme mit Technik erschlagen.

Ein Vorschlag, der aktuell im Raum steht, ist z.B. eine Pauschalabgabe analog zur Festplattenabgabe, die dann an die Schaffenden verteilt werden könnte, so Julia Reda in der letzten Vienna Writer’s Podcast Episode. Andere Modelle sind eine (Teil)Finanzierung der Schaffenden via Crowdsourcing, zum Beispiel über Patreon oder Steady. Selfpublishing wird immer größer und liberalisiert den Markt, Autor*innen haben die Möglichkeit, (fast) direkt von ihren Leser*innen bezahlt zu werden (je nachdem, ob man Distributoren dazwischen haben will oder nicht). Es gibt viele Ansätze und es wird sich auch im Digitalen ein gangbarer Weg entwickeln lassen. Ein Modell, das in dieses Internet passt. Die TAZ lebt es ebenfalls bereits seit Jahren vor und bestreitet mittlerweile einen guten Teil ihrer Finnzierung durch die Paywahl (statt Paywall). Crowdsourcing ist ein Weg, den ich mir beispielsweise sehr gut vorstellen kann.

Manchmal muss man nicht immer mehr verbieten, sondern ein bisschen loslassen und eine natürliche Entwicklung zulassen können. Ja, wir brauchen Regelungen. Aber wir brauchen auch etwas Spielraum, um diejenigen einzubinden, die es ebenfalls trifft, die in der Debatte bisher aber nur als Störelement vorkommen: die Leser*innen, die Hörer*innen, die Zuschauer*innen. Nicht umsonst haben sich Plattformen wie Patreon und Steady entwickelt, denn die überwiegende Mehrheit der Menschen möchte den Schaffenden – ebenso wie Onlinemedien – eine Vergütung zukommen lassen. Autoren wie z.B. Cory Doctorow verkaufen ihre Bücher auf ihrer eigenen Website, weil sie damit 30 % mehr verdienen, als über Amazon. Es gibt Alternativen und gangbare Modelle überall im Netz, man muss sie nur sehen wollen und daraus lernen, wie es in Zukunft gehen kann. Und ganz bestimmt gibt es noch Möglichkeiten, die erst noch erdacht werden.

Ich bin optimistisch, dass es funktionieren kann, von der Kunst zu leben. Der Trend geht ja dort hin, wenn auch langsam. Mit einem freien und kreativen Internet können wir das schaffen. Nur Leistungsschutzrecht und Uploadfilter müssen wir vorher noch verhindern und uns an der Diskussion beteiligen, aus der Schaffende und Konsument*innen bisher offenbar herausgehalten werden.

Seid laut, redet mit.

#Urheberrecht #SaveYourInternet #article11 #article13

Ich freue mich über Euren Support

Ihr könnt mich und den Vienna Writer’s Podcast unterstützen, zum Beispiel auf Patreon. Alle anderen Möglichkeiten findet Ihr auf der Spendenseite

Ja, wir brauchen ein neues Urheberrecht. Leistungsschutzrecht und Uploadfilter sind keine Lösung.

Autor*innen möchten vom Schreiben ihrer Texte leben können – das ist nicht verwerflich, das ist völlig normal. Jemand, der ein Herz für Buchhaltung hat und das gerne tut (ja, solche Menschen gibt es tatsächlich!), können genauso erwarten, dass sie dafür bezahlt werden und von dem Geld ihre Miete, Essen, Tierarzt, Schulkosten für die Kinder, Versicherungen, etc. bezahlen können. Es steht außer Frage, dass Leistung entlohnt werden soll!

Am 20. Juni wurde im Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments eine Urheberrechtsreform beschlossen, die ich – wie viele andere – für gefährlich halte, da sie meiner Meinung nach zu große Gefahren für das freie Internet, insbesondere für unser Grundrecht freier Meinungsäußerung, birgt.

Anmerkung: Dies ist meine Meinung und ich weiß, dass ich mich hiermit offen gegen die Autorenverbände stelle, die teils jahrelang FÜR diese Urheberrechtsreform gekämpft haben. Aber für mich ist der Preis und die Gefahr, die mit diesen Änderungen einhergeht, einfach zu hoch. Wäre ich christlich gläubig, würde ich es vielleicht mit Luther sagen: Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Ich kann diese Urheberrechtsreform – bei allem Willen, vom Schreiben leben zu wollen – NICHT BEFÜRWORTEN.

Zwei der Artikel der Urheberrechtsreform sind die, die in der breiten Masse kritisiert werden. Dieser Kritik schließe ich mich vollinhaltlich an.

Julia Reda ist die Abgeordnete der Piratenpartei im Europäischen Parlament und hat die Sachlage aus Sicht von Datenschutz und der Befürwortung eines freien Internets sehr gut auf ihrer Website und auch in einem Interview im Logbuch Netzpolitik Nr. 259 geschildert.
-> zur Folge

Sie hat auch Alternativen/Kompromisslösungen für Artikel 11 und Artikel 13 vorgelegt, die die kritischen Punkte herauslösen und einen fairen Kompromiss zwischen den verschiedenen Standpunkten bieten.

Artikel 11

Artikel 11 beinhaltet das sogenannte Leistungsschutzrecht, eine Linksteuer. Verlinkungen auf urhebrerechtlich geschütztes Material z.B. auf Nachrichtenseiten sollen in Zukunft Geld kosten. Die Idee ist, dass die Urheber einen Teil der Gebühren bekommen sollen. Grundsätzlich also gut, aber in der Realität wird dies voraussichtlich dazu führen, dass es für kleine Blogs und Foren unwirtschaftlich wird und entweder einfach nicht mehr auf entsprechende Inhalte verlinken werden, oder aussterben, was zum selben Ergebnis führt. Die einzigen, die sich eine Flatrate für Verlinkungen leisten können, sind die großen Plattformen wie Google und Facebook, etc.. Allerdings werden sie die finanziellen Mittel nicht einmal aus der Portokasse kramen müssen, da es für “die Großen” ohnehin Ausnahmeregelungen oder günstige Angebote geben wird. Der kleine Literaturblogger zahlt also am Ende wieder drauf und es wird hier eine Zentralisierung auf die großen Plattformen gefördert werden.


Quelle: juliareda.eu


Quelle: saveyourinternet.eu

Artikel 13

Artikel 13 beinhaltet die sogenannten Uploadfilter, die von Internetplattformen eingesetzt werden müssen, wenn diese Urheberrechtsreform beschlossen wird. Das bedeutet, dass alles, was man im Netz teilt, hochlädt, schreibt, postet, … durch einen automatisierten Filter läuft, ähnlich wie ein Virenscanner, ob eventuell jemand anderer ein Urheberrecht darauf haben könnte. Und: Plattformen sind voll verantwortlich für alle Inhalte, die bei ihnen hochgeladen/gepostet/geschrieben werden. Sie haben also ein großes Interesse daran, dass sie so viel wie möglich kontrollieren. Das halte ich für brandgefährlich und schließe mich der weit verbreiteten Meinung an, dass wir hier zu nah daran sind, eine Zensurmaschine zu schaffen, die es repressigen Regimen, wie sie überall in Europa aufsteigen, einfach macht, die Bürger*innen unter Kontrolle zu halten.

Weitere Probleme des Artikels 13: Es gibt bereits Uploadfilter, z.B. bei YouTube, dort heißen sie ContentID. Wenn alle anderen auch Uploadfilter installieren müssen, verdient Google viel Geld damit, den eigenen Filter an alle anderen zu verkaufen – UND schafft so eine zentrale Stelle, wo SÄMTLICHE Äußerungen, die auf irgendwelchen Plattformen im Netz getätigt werden, zusammenlaufen, weil sie ja durch die Google Filter müssen.

Das Nächste ist, dass natürlich keine Menschen dort sitzen und darauf warten, dass Hansi Müller auf Plattform X “Guten Morgen” tippt und ein Bild seiner Kaffeetasse dazu hochlädt, sondern dass ganze Armeen von Algorithmen automatisiert die Inhalte durchkämmen und in Tausendstelsekunden entscheiden, ob der Inhalt durchgeht oder ob er gefiltert wird, also am Weg verschwindet. Solche Algorithmen haben in der Vergangenheit bereits mehrfach falsch gelegen. Beispielsweise hatte die Fotografin Carol M. Highsmith Probleme mit gleich zwei Stock Photo Plattformen, die versuchten, das Copyright ihrer Bilder zu übernehmen, die sie grundsätzlich royalty-free veröffentlicht und ihr selbst eine Rechnung für eines der Bilder schickten, das sie auf ihrer eigenen Website benutzt hatte. Sie klagte dagegen und wurde abgewiesen. -> zum Copyfraud Artikel auf Wiki

Wenn ein Journalist auf einem Nachrichtenportal einen Artikel veröffentlicht, den er X Tage später aufgrund der Vereinbarung mit dem Portal selbst weiterverwenden und an anderer Stelle publizieren darf, dann läge für die Algorithmen das Urheberrecht beim Nachrichtenportal und die Texte an anderer Stelle würden gegebenenfalls gar nicht erst erscheinen, weil die Uploadfilter sie einfach nicht durchließen. Konzepte wie Re-Publishing werden nicht berücksichtigt; das betrifft auch (kleinere) Verlage, die ein Buch wieder neu auflegen, das bei einem anderen Verlag aus dem Programm genommen wurde.

Auch wie einfach oder schwierig es für Selfpublisher wird, das eigene Urheberrecht irgendwo für die Uploadfilter-Datenbank anzumelden, steht in den Sternen. Große Verlagshäuser haben es hier vermutlich merklich einfacher, die Eintragungen vornehmen zu lassen und auch ein Interesse daran, dass dies so bleibt.

Und dann haben wir eine große Datenbank, die sämtliche urhebrerechtlich geschützten Werke beinhaltet. Würde diese von einer Malware befallen, ist nicht abzusehen, welchen Schaden dies bringen würde. Vielleicht stünde das komplette Internet still, weil niemand mehr etwas posten könnte, weil die Datenbank hinter den Filtern lahmliegt.

Ein etwas anders gelagertes Beispiel ist die Sperrung der Videos der Blender-Foundation auf YouTube. Dies zeigt auf andere Weise recht deutlich, wie sehr man als Content Ersteller dem Goodwill der “Großen” und ihrer Algorithmen ausgeliefert ist: “Die Probleme mit YouTube begannen für Blender im Dezember 2017: US-Nutzern war aufgefallen, dass ein “sehr beliebter” Vortrag von der Blender Conference für sie nicht mehr sichtbar war. YouTube erklärte auf Nachfrage, dass Blender die Anzeigen für Videos aktivieren müsse, damit US-Nutzer den Vortrag wieder anschauen können. Blender lehnte das ab: “Wir haben uns entschieden, einen 100-prozentig werbefreien Kanal zu betreiben”, schrieb die Foundation an YouTube. Das Unternehmen antwortete, dass es Spezialisten konsultieren müsse, Blender solle etwas Geduld haben. Doch es passierte nichts – bis am 15. Juni der gesamte YouTube-Kanal plötzlich offline ging.” -> zum vollständigen Artikel auf heise.de


Quelle: juliareda.eu

Der Verband der österreichischen Internetprovider spricht sich offen gegen die Änderungen aus. Hier heißt es: Es “besteht die Gefahr, dass die Verbreitung „unbequemer“ Informationen, z. B. Fotos oder Videos von sozialen Missständen oder Repressionsmaßnahmen eines Staates, über soziale Netzwerke mit der Behauptung, diese stellten eine Urheberrechtsverletzung dar, effektiv unterbunden wird. “Wer behauptet Upload-Filter hätten nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, dem mangelt es entweder schlichtweg an technischem Verständnis oder er stellt die Tatsachen absichtlich falsch dar”, so der ISPA Generalsekretär.”
-> zur gesamten ISPA Pressemeldung

Ich spreche nicht für alle Autor*innen. Ich bitte die geneigten Leser*innen nur darum, sich selbst ein Bild zu machen. Bitte informiert Euch – sowohl bei den Autorenverbänden als auch auf der Seite derer, die gegen die Urheberrechtsreform stimmen. Wie auch immer Ihr Euch entscheidet, es ist noch bis zum 5. Juli Zeit, Einfluss zu nehmen.

Links

Seite zu Lesungshonoraren und gerechter Vergütung bei den Mörderischen Schwestern
Initiative Urheberrecht

saveyourinternet.eu
juliareda.eu
Logbuch Netzpolitik 259
Petition der DigitalCourage gegen Uploadfilter (DE)

Mein neuer Newsletter startet in Kürze

Die neue Woche startet mit der ersten Ausgabe meines Newsletters!

Lesetermine, neue Bucherscheinungen und exklusive Bonus-Stories erwarten Euch dort! 🙂 Und hier könnt Ihr Euch gleich anmelden:

Unendlicher Lesegenuss

Kindle Unlimited
Kindle Unlimited ist just für die USA und auch für Deutschland und Liechtenstein gestartet, weitere Märkte sollen in Kürze folgen. Das Prinzip ist so einfach wie begeisternd: das volle Kindle Buchprogramm für €9.95 pro Monat. Allerdings “kauft” man die Bücher nicht, sondern es funktioniert wie eine große Leihbücherei, bei der man bis zu 10 Titel zeitgleich ausleihen darf. Verlage und Büchereien freut’s weniger, aber für Leseratten ist Kindle Unlimited wohl genau das Richtige. Amazon schließt mit dieser Bücher-Flatrate eine Lücke in seinem weitreichenden digitalen Angebot.

Nominiert!!!

Zurück aus der Sommerpause und eine supertolle Meldung gleich zu Beginn: ich bin nominiert!!! Bei LovelyBooks wird aktuell über die besten Debütautoren 2014 abgestimmt. 114 Autoren sind auf der Liste und ich bin mit dabei. Ich freu mich so – alleine für die Nominierung, dass ich beim Lesen vorhin eine richtige Gändehaut bekommen hab. 🙂

Wer also “Mord & Schokolade” genossen hat, darf gern bei LovelyBooks vorbeischauen und auf ein freundliches “vote” klicken – ich freue mich über jede Stimme! 🙂

Von meinen sonstigen Sommererlebnissen kann ich Euch berichten, dass ich in London, Prag und der alten Heimat war, viele neue Ideen und Inspiration gesammelt habe, den Umbau des Hildesheimer Doms betrachten durfte, Schokoladenbier getrunken habe, meinem guten, alten Schreibgerät eine neue Festplatte verpasst habe, damit es jetzt mit neuem Schwung an den zweiten Paula-Krimi gehen kann. Also los!

Neues vom Buchmarkt

Apropos eBooks: e-book-news.de berichtete kürzlich, dass Self-Publisher achtmal (!) so viele Titel verlegen wie klassische Verlage. Schon eine beachtliche Summe. Und die Anzahl an Self-Publishern übersteigt die der Verlagsautoren um das 100-fache. Nicht zuletzt Amazon sei Dank. Besonders die ‘professional publishing services’ wie Lektorat, Coverdesign und Marketing, deren Absatz allein in der ersten Hälfte des Jahres 2013 um mehr als 50% gestiegen ist, werden zunehmend von Self-Publishern in Anspruch genommen. So verlieren die Indie-Bücher immer mehr von ihrem “Schmuddel-Ansehen”.

Noch vor einigen Jahren hieß es, wenn man einmal bei BoD oder sonstwo selbstverlegt hat, kann man sich bei keinem “althergebrachten Verlag” mehr blicken lassen. Aber so langsam die DiY-Welle auch beim Bücherschreiben über den großen Teich schwappt, so langsam kommt auch im deutschsprachigen Markt das angestaubte Gerüst der “renommierten Verlagswelt” ins Wanken. Auf der Frankfurter Buchmesse ist Self-Publishing in diesem Jahr das Top-Thema geworden. Frei nach dem Motto: “Diskutierst du noch mit Deinem Verlag oder verdienst Du schon?” – Oder für viele Jungautoren vielmehr: “Suchst Du noch verzweifelt nach einer Chance irgendwo hineinzurutschen oder hast Du schon Leser?”

Dank der Erfolge Amazon & Co. vermitteln nicht nur die offiziellen Bestseller-Listen einen falschen Eindruck – überhaupt messen die Branchenstatistiken den Wandel der Gutenberg-Galaxis wohl nur äußerst unzureichend. Der alte König im Leseland, vielleicht ist er auch in seinem Exil (=Buchmesse) längst nackt.

(e-book-news.de)

a day for books…

Toronto, Kanada. Hochzeitsreise (etwas verspätet), zweiter Tag. Nach einem überraschend süßen Frühstück (Mousse auch Chaucolat aus dem Gläschen = Instant-Karies) ging es los Richtung Downtown. Architektonisch ist Toronto… nennen wir es mal “flexibel”, was den Besuch hier an jeder Ecke spannend macht. Genauso die Belegung der benachbarten Ladenlokale: coin laundry neben designer furniture neben convenience mart neben psychic studio neben health care neben tattoo studio. Und an jeder zweiten Ecke ein Starbucks. Vor allem psychic und tattoo studios gibt’s in etwa so viele wie Starbucks Filialen. Sehr faszinierend. 🙂

Einer meiner fixen Reisepunkte war das “Chapters – World’s Biggest Bookstore”. “Faszinierend” ist zu wenig gesagt. “Dürfte ich bitte für den Rückflug einen eigenen Container für Bücher bekommen?” träfe es besser. Und erfreulich gut sortiert! Nicht nur, dass es zu quasi jedem Thema etwas gab, auch die einzelnen Titel waren erfreulich vielfältig gewählt.

Mich hat ja die komplette Abteilung zum Thema “Kreatives Schreiben” sehr begeistert. Die zu “Stricken” natürlich auch. 😉 Und die Zeitschriftenabteilung hätten wir vermutlich nicht einmal in unserer Wohnung untergebracht. Unglaublich! Übrigens war auch dort ein ganzes Regal zum kreativen Schreiben dabei. Wenn ich es nicht schon vorher gewusst hätte, wäre mir spätestens hier aufgegangen, dass kreatives Schreiben und Schreiberlinge am amerikanischen und kanadischen Markt einen völlig anderen Stellenwert haben.

Nachdem mich der Mann dann nach einer guten Stunde wieder aus dem Laden rausgezerrt hatte, liefen wir dann ein paar Meter weiter einer älteren Dame über den Weg, die uns an einer Ampel ansprach, ob wir nicht zufällig Touristen wären – ob Markus’ gezückter Kamera vermutlich nicht völlig aus der Luft gegriffen. Sie machte uns dann darauf aufmerksam, dass zwei Häuserblocks weiter gerade ein “Bücher Festival” stattfände, das sicher spannend wäre, zu besuchen. Aha. Bücherfestival. Na gut, Bücher sind nie verkehrt und unser Programm für den Tag war eh noch recht leer, also machten wir uns auf den Weg.

Das Bücher Festival entpuppte sich dann als ein Straßenfest vom Ausmaß einer dreiviertel Frankfurter Messehalle, bei dem gefühlt sämtliche Autoren Kanadas und mindestens ein Drittel aller amerikanischen anwesend waren, dazu ein Viertel aller Verlage und diverse Verbände, Interessengruppen und Kunsthandwerker. Das “The Word on the Street” Festival ist gigantisch! Und dabei völlig entspannt. Wie ein nettes Straßenfest eben. Dabei Lesungen und Signierstunden und viele Plakate, Banner und sonstigen Materialien, die alle Messages im Sinne von “hail the author” tragen. Grandios.

Da fühlt man sich gleich viel besser. Nicht so wie am deutschsprachigen Buchmarkt, wo der Autor völlig in den Hintergrund rückt und die Verlage allen “Ruhm” einheimsen. Nein, hier sind die Autoren die “Helden des Buch-Alltags”. Infos zu “Schreib Dein Buch” über “Verlag sucht Neuautoren” und die diversesten Formen von Selfpublishing bis zu “hier lernen Sie die echten Autoren kennen” lauern an jedem Stand. Ein ganzer Abschnitt des Festes war für Autoren bestimmt – der “Writer’s Block”. *g* Ich liebe Wortspiele. 😉

Wie es der Zufall so wollte, fand ich irgendwann vor dem Stand von Luba Lesychyn, der Autorin von Theft by Chocolate. Wir haben sehr nett geplaudert – Schokoladenautoren unter sich ;). Ihr Buch habe ich natürlich gleich hinterher in der eBook-Ausgabe gekauft; Übergepäckt lässt grüßen. Ich bin schon sehr gespannt, was und wie sie so schreibt.

Und ins “Chapters” müssen wir dann gegen Ende der Reise auch nochmal rein und jedes Gramm und jeden Zentimeter, der im Gepäck noch frei ist, mit Büchern anfüllen. *ggg* Wobei ich mich schon frage, ob sie “Shakespeare in Action” Leute davon ausgehen, dass ein Buch quasi tot ist, wenn es denn gelesen wurde und ob mein erwähnter Extra Container dann für Lebendtransporte geeignet sein muss – read or alive! 😉

Kindle MatchBook

Amazon MatchBook

Ab Oktober soll es losgehen: “Kindle MatchBook” startet bei Amazon US. Jeder, der bei Amazon US ein Print-Buch bestellt hat, soll das eBook günstig bis gratis dazu bekommen – und zwar seit Anbeginn von Amazon 1995! (Ausnahme: gebrauchte Bücher) Die eBook Preise liegen dabei zwischen 0.99$ und $2.99, einige gibt es tatsächlich auch gratis dazu. Eine super Idee! Umgekehrt wäre das auch toll, nachdem es ja doch immer mal wieder Bücher gibt, die so gut sind, dass ich sie mir auch gerne ins Regal stellen würde.

Amazon braucht für das Vorhaben allerdings die Zustimmung der Verlage und momentan steht vermutlich noch nicht ganz fest, welche tatsächlich beteiligt sein werden.

Wer im Kindle Direct Publishing-Programm seine Bücher selbst verlegt, hat die Wahl: Solange ein Titel auch gedruckt über Amazon verkauft wird, können die Autoren entscheiden ob und zu welchem Preis sie das zusätzliche eBook verkaufen wollen. Die Preise müssen jedoch im 0,00 – 2,99 Dollar-Bereich liegen und um mindestens 50 Prozent niedriger sein als der normale eBook-Preis. Wieviel davon in der Tasche der Schriftsteller landet, hängt von der Tantiemen-Option ab, die gewählt wurde: Erhält ein Autor 35 Prozent beim Verkauf des regulären eBooks, so erhält er auch 35 Prozent beim Verkauf des Zusätzlichen.
[Quelle: lesen.net]

Aber zu früh sollten wir uns hier, am abgeschlagenen deutschsprachigen Buchmarkt, noch nicht freuen. Die Buchpreisbindung könnte dem Vorhaben hier nämlich einen ziemlichen Strich durch die Rechnung machen. Nur für die englischsprachigen Bücher, die über Amazon DE vertrieben werden, würde das Konzept funktionieren – bin ich froh, dass ich eh nahezu alles in OV lese! Bei den deutschsprachigen Büchern müssten die Verlage selbst ran:

Ob und wann Amazon das Programm auch außerhalb der USA anbieten will, ist nicht bekannt, gleichwohl wird bereits auf Facebook darüber diskutiert, ob „MatchBook“ mit der deutschen Preisbindung zu vereinen wäre. Auf Anfrage von buchreport.de erklärt Börsenvereins-Justiziar Christian Sprang, dass Amazon nicht auf eigenes Faust solche Bundles schnüren dürfe, das Unternehmen könne hierzulande allenfalls Verlage dazu überzeugen, Bundlepreise – preisbindungsrechtlich gesehen seien dies Serienpreise – für gekoppelte Print-E-Book-Produkte einzuführen. „Diese würden dann aber für den gesamten Handel gelten, Amazon hätte sie also nicht exklusiv.“ [Quelle: buchreport.de / via lesen.net]

Ob das wohl was wird? Ich würde es mir – und auch dem deutschsprachigen Buchmarkt – wünschen. Buchpreisbindung schön und gut, aber sie verbaut mehr Chancen, als sie Nutzen bringt. Ansonsten sind die deutschsprachigen Bücher ja auch über amazon.com zu kriegen, dann haben sie eben eine etwas längere Lieferzeit… – Ich bin ja nicht nur Autor, der sich über Tantiemen freut, ich bin auch Leser und unglaublich selbst- bzw. büchersüchtig. Sorry, liebe Buchpreisbindung.

“Vom Schreiben kann niemand leben.”

Nicht, dass wir es nicht schon seit Jahren wüssten, aber “schön”, wenn die Tatsachen mal wieder schwarz auf weiß zu lesen sind: Vom Schreiben kann niemand leben.

Gerade kürzlich wurde ich mal wieder gefragt, ob ich nicht demnächst meinen “dayjob” kündigen wollte, wenn ich doch im kommenden Frühling mein Buch veröffentliche. Nee, sicher nicht. 1. macht mir meine Arbeit in der Werbeagentur einfach viel zu viel Spaß und 2. kann man vom Schreiben einfach nicht leben. Im literarischen Amerika vielleicht, vo ‘Castle’, der millionenschwere Bestsellerautor die abstrusesten Fälle ermittelt, aber hier, am realen, europäischen Buchmarkt??? Wie war das? Man gilt schon als Bestsellerautor, wenn man 2.000 Bücher verkauft hat? Bei ein paar Cent pro Buch kann man davon dann vielleicht mal gut essen gehen oder sich ein paar Schuhe kaufen; eventuell sogar beides. Aber reich wird man davon sicherlich nicht.

Im Artikel heißt es auch so schön, dass es junge Autoren extrem schwer haben. Weil sich die Verlage auf ihre paar “Zugpferde” verlassen und alles Geld in diese Handvoll Autoren stecken. Allein dann erstmal “reinzukommen” ist schon nahezu hoffnungslos und wenn man es dann mal geschafft hat, kann man auf gutes Marketing für’s eigene Buch auch nur hoffen. Die Zwei-Klassen-Gesellschaft der literarischen Welt: die gutbezahlten “Zugpferde” und die breite Masse der Schreiberlinge, die quasi mit “Mindestlohn” abgespeist werden.

Manche Verlage wollen nicht einmal mehr die marktübliche Preise zahlen – ich erinnere mich an eine quasi fertige Anthologie in meiner Schublade, die insgesamt zwar super angekommen ist bei den Verlagen, aber es scheiterte überall am schnöden Mammon. Nichtmal ein dreistelliger Betrag für die Beiträge namhafter Autoren. Ja, über solche Preisklassen wird da verhandelt, wenn man ein Buch veröffentlichen will. Und sich Dinge anhören wie “wir suchen noch Sponsoren, die dann mal die ersten 5.000 Exemplare abnehmen, dann können wir das Buch auch veröffentlichen; bis dahin müssen Sie sich dann eben gedulden”. Drei Jahre später… Das fällt dann wohl unter die dritte Klasse, über die schon keiner mehr redet: all jene, die Schreiben und Schreiben und verzweifelt nach einem Verlag suchen, aber niemals hineinkommen. Oder sich für das Kunstgeschäft quasi prostituieren – sich ausbeuten lassen und auch noch denken, sie wären gut dran, weil ihre Werke veröffentlicht werden. Ohne jemals einen Cent für ihre Leistungen zu sehen.

Dabei sind die Autoren quasi die Lieferanten für die Verlage. Die Kühe, die sich im Namen des Kunstgeschäfts melken lassen – oder besser gesagt: sich selber melken. Für die Verlage gilt: ohne Milch kein süßer Brei, kein Joghurt und keine Butter auf’s Brot. Und ohne Abnehmer ist auch für die Autoren mit nur Milch alles Käse. Es wäre zu schön, wenn mehr Verlage sich an die symbiotische Beziehung zu den Autoren erinnern würden und auch mal ein paar neue “Geschmacksrichtungen” auf den Markt brächten. Aber das ist grad nicht “in”.

Nee, da bleib ich hier im Blog doch lieber bei Geschichten über Recherchieren, über’s Schreiben in Cafés oder spannende neue Software für Autoren – das “Endergebnis” oder der Weg dahin ist – zumindest in Teilen – viel zu deprimierend. Deswegen behalte ich meinen Job. Nicht zuletzt auch wegen der vielen spannenden Ideen, die einem für eines der nächsten Buchprojekte an manchen Tagen in den Kopf schießen. 😉

-> zum Artikel “Vom Schreiben kann niemand leben” von Jutta Heeß (3sat/Kulturzeit)

5 Jahre Kindle

… und wie der kleine eReader die Lesewelt veränderte. Um das Fazit von BookRix.de auf Pinterest gleich vorweg zu nehmen: Kindle-Leser lesen viermal so viel wie vor dem Kindle-Kauf und kaufen sowohl Kindle-Bücher als auch Printausgaben. Nu guck! Ich habe mich kürzlich dabei ertatppt, wie ich in einer Buchhandlung am Frankfurter Flughafen stand und ernsthaft mit zwei Büchern liebäugelte, mich aber überhaupt nicht dazu aufraffen konnte, die auch noch mitzuschleppen. Ich habe sie mir dann 10 Minuten später, als ich dann am Gate saß, als Kindle-Ausgaben gekauft. War nciht nur günstiger, sondern ersparte auch noch Platz und Gewicht beim Handgepäck… Aber sehr gute Bücher kaufe ich mir tatsächlich nach wie vor als Printausgabe (nach), dass ich sie dann im Regal stehen habe und immer und immer wieder lesen kann. Mit “Papier-Gefühl”. 😉

Kindle Infografik

Kindle Touch rechtzeitig zum Ostergeschäft

Damit in allen Osternestern auch ein eReader liegt, hat Amazon rechtzeitig zum Ostergeschäft den Kindle Touch auf den deutschsprachigen Markt gebracht. Nun gibt es hier immerhin schon vier Modelle des hauseigenen eReaders: den Kindle, Kindle Touch, Kindle Touch 3G und Kindle Keyboard 3G.

Ich habe mir ja erst zu Weihnachten den Kindle gekauft, werde also nicht gleich auch noch einen Touch anschaffen. Ich warte mal, bis es den Kindle Fire auch hier am deutschsprachigen Markt gibt. 😉

BUCH WIEN – die Messeperlen

Tatsächlich habe ich es neulich doch noch zur BUCH WIEN geschafft. Hier mal meine persönlichen Highlights.

ORDNING & REDA waren dieses Jahr auch auf der Messe und ich schon sehr in Versuchung… 😉

Ganz spannend fand ich ja “The Bookseat“, eine praktische Bücherstütze zum freihändigen Lesen. Das Schaf fand’s eher entspannend. 😉 Auf jeden Fall muss ein Bookseat die Tage mal genau unter die Lupe genommen werden.

Sehr lustig war’s am Stand von Voodoo Press mit Evelyn Preissl, Nina Horvath und Veronika A. Grager. Spaß muss sein! 😉

Eine Neuentdeckung war Wild Urb – Wien geht. Eine ganze Community – mit Buch – zum Thema Wege in Wien. Ganze Thementouren durch die Donaumetropole. Ich glaub, das muss ich bi Gelegenheit dann gleich mal ausprobieren.

Und besonders nett wie immer: der Stand von Paperblanks. 😀 So viele schöne neue Bücher – jetzt sogar mit Fadenbindung! *freu* Die schreien einfach nach tausenden spannenden Ideen, die leeren Seiten zu füllen!

Für Lesungen hatte ich dieses Jahr leider keine Zeit. 🙁 Aber nächstes Jahr kann ch davon dann auch wieder berichten. Und bei allen Verlagen, mit denen ich eigentlich reden wollte, war leider niemand da. Sehr schade. Nun muss ich wohl doch wieder wild herumtelefonieren. Nun denn.