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Selfpublishing Übersetzungen 01: Die Übersetzung

Im ersten Quartal 2021 habe ich den nächsten großen Schritt gemacht: eine englischsprachige Übersetzung und damit den ersten Schritt auf das große, internationale Parkett. Und ja, in etwa so groß fühlte sich das in weiten Teilen auch wirklich an. Mehr potentielle Leser:innen, globale Reichweite und natürlich auch potentiell globale Kritik. Plötzlich muss man es nicht nur deutschsprachigen Leser:innen Recht machen, sondern bedenken, dass das Buch von Menschen mit völlig unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und ganz verschiedenen Mindsets gelesen werden kann – von Indien bis Texas, von Finnland bis Südafrika.

Diese Blogpost-Serie skizziert meine Erfahrungen, als Selfpublisherin eine englischsprachige Buchübersetzung zu machen und in den internationalen Vertrieb zu geben, welche Hürden ich dabei gefunden und welche Lösungsansätze ich probiert habe, diese zu überwinden.

Von einer harmlosen Idee …

Aber vielleicht langsam und von vorne. Es begann vor einem Vierteljahr an sich ganz harmlos mit einer überarbeiteten und erweiterten Neuauflage meines Sachbuchs „Dann haben die halt meine Daten. Na und?!“ und einem Podcastgespräch mit Richard, Fenna und Quentin von der Orwell Society. Während des Gesprächs dämmerte mir, dass das Buch auf Englisch sicher eine gute Idee wäre. Gedacht, getan.

Die Rohfassung der Übersetzung

Da ich vor ewig vielen Jahren mal englische Literatur studiert und sogar abgeschlossen habe und auch jetzt viel im englischsprachigen Bereich unterwegs bin, Vorträge halte und Diskussionsrunden moderiere, traute ich mir zu, die Übersetzung selbst zu machen. Allerdings von Beginn an mit der Absicht, das durch Muttersprachler:innen und/oder eine:n Lektor:in „schön machen“ zu lassen.

Tipp: Es gibt mittlerweile Übersetzungs-Agenturen, die auch für Selfpublisher:innen arbeiten. Da übersetzen fleißige Übersetzer:innen Eure Bücher für Euch. Bezüglich Rechten und Urheberrecht an der Übersetzung schaut aber in den Vertrag, damit Ihr keine Überraschungen erlebt.

Urheberrecht

Der Neugierde und zugegeben auch der Zeitersparnis halber, nutzte ich für den ersten Wurf die Pro-Version von DeepL. DeepL deswegen, weil sie in den AGB versichern, dass die Übersetzungen rechtlich mir gehören. Es geht also kein Urheberrecht an den Übersetzungen an DeepL über, sondern die Texte gehören mir. Und die Pro-Version deswegen, weil man da ganze Dokumente hochladen kann und diese und die Übersetzung direkt nach dem Download auf dem Server wieder gelöscht werden. Und die € 8,- ist mir das völlig wert.

Überarbeitung

Es kam bei der automatischen Übersetzung durch DeepL ein durchaus sehr lesbarer Text heraus, aber natürlich nichts, was man unbesehen veröffentlichen sollte. Ich hab ihn also einmal selbst durchgearbeitet, um das völlig Offensichtliche mal raus zu haben. Das Zwischenergebnis hab ich dann in ProWritingAid gefüttert. Das Programm hat mich auf der Stelle begeistert.

ProWritingAid

Das Programm hilft dabei, englischsprachige Texte auf Zeichensetzung, Grammatik und auch Stil zu durchleuchten. Es macht auch Vorschläge zur besseren Lesbarkeit und gibt Hinweise, in welchen Kontexten eine angestrichene Satzkonstruktion eventuell doch gehen würde. Den Kontext kennt das Programm natürlich nicht, sondern nur Satzbau, Grammatik und Zeichensetzung. Von daher muss man schon alle angemerkten Stellen durchgehen und den Korrekturvorschlag annehmen oder ablehnen. Es gibt auch ein eigenes Wörterbuch, dem man Wörter, Eigennamen und so weiter hinzufügen kann.
ProWritingAid funktioniert online im Browser und auch offline. Das richtig Großartige ist, dass ich in der Offline-Version mein Scrivener-Dokument einfach öffnen und darin bearbeiten kann. Im Anschluss kann ich es wieder in Scrivener öffnen und habe alle Verbesserungen im Text auch direkt wieder in Scrivener drin. Sooo angenehm.

Das deutsche Äquivalent zu ProWritingAid ist der Duden Mentor, der in Papyrus eingebaut, aber auch standalone über die Webseite von Duden.de verfügbar ist. Mit Papyrus bin ich auch beim vierten Anlauf nicht warm geworden, aber ich hab den Mentor nach meiner Erfahrung mit ProWriting Aid gleich für einen deutschen Text verwendet.

In drei Durchgängen mit ProWritingAid habe ich zwanzig (20!) Seiten deutsche „Füllsel“ rausgekürzt, die im Deutschen helfen, dass ein Text lockerer und leichter lesbar ist. Im Englischen braucht man den ganzen Schnickschnack natürlich nicht. Dass englische Texte grundsätzlich kürzer sind als die deutschen Äquivalente, ist ja nichts Neues. Aber ich war auch erstaunt darüber, wieviel es ist, das man getrost rauslöschen kann, ohne dass es inhaltlich einen Unterschied macht.

Was ich auch rauseditiert habe, ist der flapsige, sehr persönliche Tonfall und alle ironischen oder sarkastischen Anmerkungen. Im deutschen Text dient der Stil dazu, die Distanz zu den sehr komplexen, abschreckenden Themen, die sich hinter dem Wort „Datenschutz“ verstecken – von Algorithmen bis Massenüberwachung – zu nehmen. Die Themen sind dadurch nahbarer und weniger angsteinflößend.
Aber im Englischen weiß ich nicht, wer am Ende den Text liest und ob dessen oder deren Kultur und Mindset mit Ironie, Sarkasmus und flapsiger Ansprache klarkommt. Daher ist das englischsprachige Buch deutlich „geglättet“. Ohne Fluchen, was gerade die US-Leser:innen wohl nicht goutieren.

Schlussendlich war der Text soweit bearbeitet, dass er leicht und flüssig lesbar war und mir das gute Gefühl gab, es jetzt nach meinem persönlichen Sprach-Stand nicht besser machen zu können.

Lektorat

Für diesen Stand suchte ich dann nach einer Lektorin, die den Text „feinjustiert“. Das erste Mal konnte ich Reedsy verwenden. Ich erstellte eine Anfrage für mein Projekt, lud eine Leseprobe hoch und suchte nach passenden Lektor:innen für mein Buch. Ich fang zwei, die von ihrer Beschreibung und den Referenzen thematisch ganz gut zum Buch passen würden und fügte sie zur Anfrage hinzu. Die erste sagte recht schnell ab mit der Begründung, dass das Buch thematisch nicht zu ihr passe. In der Zwischenzeit ergab sich eine Zusammenarbeit mit einer deutschen Lektorin, die lang in England gelebt hat und die von Haus aus Übersetzerin ist. Passenderweise sagte dann auch die zweite angefragte Lektorin bei Reedsy ab und in dem Fall hätte ich sehr gerne die Funktion „Rückfrage“ gehabt, denn ihre Begründung habe ich nicht ganz verstanden.

Das deutsche Äquivalent zu Reedsy ist übrigens selfpublishingmarkt.de

Das Buch ging also ins Lektorat und danach hatte ich ein wirklich gutes Gefühl dabei, den lektorierten Text dann zu veröffentlichen.

Im nächsten Blogpost geht es um’s internationale Publizieren von eBooks und danach schauen wir uns noch den Bereich Printbücher an. Stay tuned“

Links

DeepL
ProWritingAid
Duden Mentor
Scrivener
Reedsy
Selfpublishingmarkt

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Weitere Teile der Blogpost Serie

Teil 01: Die Übersetzung
Teil 02: Cover & eBooks
Teil 03: Werbung

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2 thoughts on “Selfpublishing Übersetzungen 01: Die Übersetzung

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