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Hörbücher selbst aufnehmen – Teil 1: Aufnahme

Am Schreibtisch wird es nie langweilig. Während “Paula3” bei den Testleser*innen weilt, habe ich schon wieder ganz neue Dinge dazu gelernt: Hörbücher aufnehmen.

Im letzten Jahr hatte ich dazu eine Podcastfolge mit Markus Stromiedel aufgenommen, der professionelle Hörbücher in seinem Heimstudio aufnimmt. Hört gerne mal rein, der Leifheit Wäscheständer amüsiert mich bis heute. 😉

Nachdem ich vor einigen Jahren eine Sprecher*innenausbildung bei der Sprecher-Akademie gemacht und Spaß daran gefunden hatte, habe ich beschlossen, es für meine Paula-Reihe selbst zu versuchen. Also waren die letzten zwei Wochen Türen und Fenster dicht verschlossen und mein Schreibtisch wurde mit Mikrofonarm und kleinem Audiointerface zum “Schrei-Tisch”.

Ich sag’s gleich: Es war höllisch anstrengend.

Ich hatte das ja vor dem Sommer schon einmal mit einer Handvoll Kurzgeschichten geübt, aber ein ganzes Hörbuch ist doch noch etwas Anderes.

Als bei den Nachbarn das Enkelkind im Pool plantschte, überlegte ich kurz, einen Leifheit Wäscheständer anzuschaffen, um noch mehr Geräusche aussperren zu können. Die Baustelle zwei Straßen weiter half auch nicht immer und irgendwer im Gebäudekomplex fing gerade in der Mitte der Arbeiten an, zu hämmern und zu bohren. Irgendwer hat hier einen Zweitakter-Laubbläser – diese Person ist während der Arbeiten mindestens vier sehr qualvolle Tode gestorben.

Was ich unterschätzt hatte, ist die körperliche Anstrengung. Konzentration und Körperspannung durchgehend zu halten ist … eine Herausforderung. Zuerst habe ich nur 2 Kapitel am Tag geschafft, dann 4 und zum Schluss 8. Offenbar kann man Einlesen auch trainieren. Ganz wichtig ist, die Stimme vorher aufzuwärmen. Ich war viele Jahre im Chor und habe da einiges in dem Bereich gelernt und auch bei der Sprecherausbildung hatten wir da ein paar Techniken. Das hilft ungemein, um lang reden zu können, ohne heiser zu werden. Sprechtechnik ergibt auf einmal einen Sinn! ;D

Und dann die Geräusche, die der Körper macht! Wenn ich etwas getrunken hatte, musste ich 5 Minuten warten, weil sonst ein schmatzendes Sabbergeräuscht in der Aufnahme war. Etwas essen ist auch schwierig – bei TUC Keksen mussten die Brösel erstmal runtergespült werden – siehe voriger Punkt. Magenknurren ist allerdings auch keine Option, das hört man ebenfalls sehr deutlich in der Aufnahme. Trotz vor den Bauch gedrückten Kissens (“Tummy-Muffler”). Lorelei King empfiehlt in ihrem Buch “Storyteller – How to be an Audiobook Narrator” Bananen. Die vertrage ich leider nicht, hatte dann aber nachdem ich das gelesen hatte, zwischendrin so einen Japp auf Bananen, dass ich unbedingt eine essen musste – und dann hatte ich Ausschlag. Aber immerhin nach 6 Jahren mal wieder eine Banane gehabt. 😀 Ich bin dann drauf gekommen, dass Pudding (selbstgemacht mit Hafermilch) gut funktioniert hat. Kein Magenknurren mehr, kein sabberndes Schmatzen – alles paletti! Was laut Lorelei King auch nicht geht sind Kaffee und Milchprodukte. Und Schokolade. Ich kann so nicht arbeiten!!! 😉 Also Kaffee vorher mit etwas Abstand trinken ging ganz gut.

Was ich auch schwierig fand war, immer im gleichen Abstand zum Mikrofon zu sprechen. Überhaupt den Mikrofonarm jedes Mal wieder an genau dieselbe Stelle zu schieben. Ich glaube, da tut man sich mit jeweils einem einmal eingestellten Tischständer und leisen(!!!) Bürohocker leichter. Der Bürohocker war nicht das Problem, da hatte ich mir im letzten Jahr einen Topstar Sitness mit so einem Wackel-Gummifuß gekauft, der für den Zweck sehr gut und lautlos funktioniert hat.

Und selbst, wenn es an einem Tag richtig gut lief, habe ich mich trotzdem alle Nase lang versprochen. Wenn ich es dreimal am Stück nicht geschafft habe, etwas richtig vorzulesen, habe ich die Stelle im Buch geändert – der Vorteil, wenn man das Buch selber geschrieben hat und die Fassung noch nicht veröffentlicht ist. 😉 Die Strecken, die ich fehlerfrei lesen konnte, wurden allerdings zum Ende hin auch immer länger. Ich hab mit “Rollback” aufgenommen. Also gleich die Aufnahme gestoppt, bis zum Versprecher zurück gelöscht und neu angesetzt. Das ging ganz gut und vor allem habe ich beim Schneiden nicht das Problem, dass ich 5 neue Ansätze pro Stelle noch immer in der Aufnahme drin habe. Das sollte die Schneidezeit drastisch verkürzen.

Gelesen habe ich vom Bildschirm meines Laptops, das Schnittprogramm hatte ich auf dem zweiten Monitor offen. Das ging ganz gut, vor allem, weil ich ggf. gleich ins Manuskript reinarbeiten konnte, wenn ich eine Stelle ändern wollte. Vom Tablet lesen wäre die andere Option gewesen. Also PDF auf, am besten in einer App, in der man Anmerkungen, Betonungs- und Pausenzeichen machen kann und sich die Charaktere anschreibt für die Dialogszenen. iAnnotate ist eine mögliche Option dafür und für Paula2 werde ich das auch versuchen. Was ich bei einem kleinen Sprecherjob schon einmal hatte, ist ein Teleprompter. Da kann man den Text auf einem Tablet vor sich langsam scrollen lassen und steuert mit dem Telefon in der Hand die Geschwindigkeit. So muss man nicht zum Tablet greifen, haut dabei ans Mikro und so weiter. Vielleicht schau ich mir das dann auch noch einmal an.

Ich habe versucht, für jeden Charakter eine eigene “Stimme” zu haben und in meinem Kopf hat das auch schon funktioniert. Allerdings hört man in der Aufnahme noch nicht viel davon. Aber laut Lorelei King geht es auch mehr um die “Attitude”, also den Charakter, wie eine Person spricht. Die Erzählerinnenstimme ist meine – weil es ja auch meine Bücher sind und ich tatsächlich die Geschichte erzähle. Die Paula ist ebenfalls meine Stimme, aber etwas bestimmter, rustikaler, rigoroser. Susi ist eher quirlig, etwas heller, Volker bestimmt und tief und Thomas tief und sehr weich. Zumindest war das die Intention. Richtig unterschiedliche “Stimmen” schaffe ich (noch) nicht, mal schauen, ob das noch irgendwann kommt und man das auch in der Aufnahme wirklich hört.

Apropos Aufnahme: Aufnehmen tu ich in “Reaper“, das ich auch für Podcastproduktionen verwende. Mein Mikrofon ist ein Rode NT1-A und das klemmt in einer “Spinne” an einem Rode PSA-1 Mikrofonarm. Ich hatte es zuerst mit einem günstigen Mikrofonarm versucht, aber der war zu schwach für das Mikro und ist immer abgesackt. Das war dann nur frustrierend und die Ausgabe für den teuren Arm hat sich schon viele Male bezahlt gemacht. Zwischen dem Mikro und dem USB-Eingang in meinen Rechner ist ein Focusrite Scarlett 2i2 (2nd generation) Audiointerface. Und zum Mithören und Schneiden verwende ich beyerdynamic DT-770 pro 250 Ohm Kopfhörer. Das haben sie uns schon bei der Sprecherausbildung gesagt: Die Kopfhörer sind wichtig. Je mehr Ohm, desto feiner werden die Details, die man hört – zum Beispiel sabberndes Schmatzen. 😉

Der Markus hat extra für den Zweck einen lüfterlosen Rechner stehen, den er zur Aufnahme verwendet. Ich habe es mit meinem MacbookPro probiert und solange nichts anderes darauf lief, sprang auch hier der Lüfter nur einmal an, als es 37 Grad draußen waren. Da hat mir der Fellow Nerd dann einen Raspberry Pi 3 mit Ardour und Audacity hergerichtet, den ich dann noch fertigmachen möchte, um den dann für die Aufnahmen zu verwenden. Reaper gibt es bisher nur in experimenteller Beta für Linux.

Es hat trotz allem sehr viel Spaß gemacht und – Bonus – ich hab noch ein paar Fehler gefunden, die mir beim Leiselesen von Paula1 noch nicht aufgefallen waren.

Ich werde es wieder tun. Auch Paula2 und 3 werden ein Hörbuch bekommen. Allerdings sind die Durchlaufzeiten bei der Publikationsplattform so lang, dass sie nicht alle drei zum Launchtag am 1. Oktober fertig sein werden. Aber bis Weihnachten hoffetnlich schon. 😉

Wer es auch selbst probieren möchte, nur zu. Seid vorgewarnt: Es ist sauanstrengend. Aber davon sollt Ihr Euch nicht abschrecken lassen. Probiert es einfach! Ich empfehle das (Hör-)Buch von Lorekei King zu lesen. Sie geht zwar dann weiter auf Menschen, die Bücher für andere einsprechen wollen, aber es sind viele sehr gute Tipps drin und was einen beim Einsprechen alles erwartet.

Mich erwartet derweil noch die Nachbearbeitung und Fertigmachen der Audio-Dateien für die Produktion auf Findaway Voices, also die Veröffentlichungsplattform (Distributor). Ich werde weiter berichten.

-> Lorelei King: How to be an Audiobook Narrator (Hörbuch)
-> es gibt zum Hörbuch auch ein “Companion Script”
-> Podcastfolge “Hörbücher produzieren” mit Markus Stromiedel

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1 thought on “Hörbücher selbst aufnehmen – Teil 1: Aufnahme

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