Unlängst habe ich ein Datenschutz-Panel abgesagt, zu dem ich als Speakerin eingeladen worden war. Nicht, weil ich keine Lust auf das Panel gehabt hätte, aber weil Einiges im Vorfeld schiefgelaufen ist.

Zum “Tathergang”:
Anfang Mai hatte ich eine Mail bekommen mit der Einladung. Es standen auch die anderen Panelteilnehmer (zwei Männer) drin und ich hab kurz recherchiert, wer das genau ist: jemand von einem großen IT Konzern und ein Parlamentsabgeordneter. Klang ganz spannend und ich sagte zu.

Fehler meinerseits an dieser Stelle: Ich hab nicht gleich nach dem Honorar gefragt.

Ich bekam noch eine Bestätigung und dass sie sich dann vor der Veranstaltung noch mit dem genauen Ablaufplan melden würden.

Zwei Wochen später bekam ich dann eine Mail, dass sie für die Bewerbung dieser Datenschutzveranstaltung ein Foto von mir bräuchten, um es auf Facebook zu bewerben.

Wait, WHAT?

Ok, offenbar wollen sie die Zielgruppe erreichen, die sich noch auf Facebook rumtreibt. Verständlich. Aber ich war doch grad so froh, dass ich nur noch so selten da bin …

Als nächstes kam ein Mail, dass sie einen CV von mir wollen für den Moderator des Panels, damit der sich vorbereiten kann. Spannend, bisher haben alle das Internet befragt, was es da zu mir zu finden gibt, aber ok. Eigener Gestaltungsraum, was man über sich preisgibt, ist ja nicht völlig schlecht.

Eine Woche vor der Veranstaltung dachte ich, ich mach mal ein Update meines Kalendereintrags und such mal nach der Veranstaltung im Netz. Die Seite hab ich dann auch gefunden. Und dann stand dort, dass ich einen 10min Impulsvprtrag halte, eine Gruppe beim Barcamp begleite, hinterher noch Fragen beantworte und das Panel fand ich nichtmal irgendwo direkt erwähnt.

Ich mailte den Veranstaltern und fragte, was jetzt richtig sei: eine Stunde auf dem Panel freundlich diskutieren oder da geschätzte drei Stunden lang ihre Gäste bespaßen? (Ich hab das insgesamt höflicher formuliert.)

Zurück kam, dass ich ja am x. Mai den Ablaufplan bekommen hätte und mich ja hätte melden können.

Ich schaute nach: Keine Mail, kein Ablaufplan. Da war die initiale Einladung und dann die Frage nach dem Foto für Facebook, gefolgt von der Bitte um einen CV.

Ich fragte via Twitter bei speakerinnen.org an, ob ich mich jetzt schrecklich anstellen würde, wenn ich das nicht ok finde, dass ich von der Website der Veranstaltung erfahre, dass ich jetzt offenbar den vier- bis sechsfachen Aufwand habe. Immerhin ist es für mich ein echter Unterschied, ob ich mich “mal eben” mit minimaler Vorbereitung eine Stunde auf ein Panel setze und dort mitdiskutiere und hinterher gleich wieder verschwinden kann, oder ob ich da geschätzte drei Stunden eine Arbeitsgruppe betreue, Fragen beantworte und mich entsprechend mehr vorbereite, aktuelle Beispiele recherchiere, Linklisten zusammenstelle, etc.

Die Antwort war: Nein. Und es ist auch immer in Ordnung, über Geld zu reden. Insbesondere, wenn der Aufwand für den Speaker / die Speakerin spontan explodiert, was an sich für mich nichtmal das primäre Problem war, ich hätte das schon gemacht. Aber a) nur nach vorheriger Absprache und b) für entsprechend mehr Geld, weil mehr Arbeit.

Ich fragte also nochmal nach, an welcher Stelle sich der Plan nun geändert hätte und wann die anderen Panelteilnehmer darüber informiert wurden. In der ursprünglichen Einladung ging es schließlich konkret um eine Teilnahme an einem Panel. Von Impulsvortrag und Thementisch-Betreuung war dort nicht die Rede. Welche Zielgruppe würde vor Ort sein? Und von welcher Honorarhöhe jetzt durch die geänderten Anforderungen eigentlich die Rede wäre.

Anmerkung: Bei einem IT Großkonzern Menschen und einem Parlamentsabgeordneten gehe ich davon aus, dass beide das in ihrer Arbeitszeit abhandeln, bzw. die Zeit von ihren Arbeitgebern entsprechend vergütet bekommen.

Zurück kam eine recht patzige Antwort in dem Tonfall, dass ich gerade ihr Event ruiniert hätte.

Nachdem ich mich wieder abgeregt hatte, habe ich dann abgesagt mit dem Hinweis, dass ich über das Vorgehen und die unprofessionelle Art der Informationsverteilung befremdet bin und den von Ihnen geforderten Arbeitsumfang zeitlich momentan nicht leisten kann.

Eigentlich schade, ich hätte schon Bock auf ein Panel gehabt. Aber in dem Fall war es eine Sache der Selbstachtung: Nicht umsonst arbeiten. Ich sage nicht, nicht “gratis” arbeiten, das kann man schon machen. Aber etwas muss auch immer zurück kommen. Und wenn das nur eine patzige Antwort ist, dann hätte ich mich die ganze Zeit nur über mich selbst geärgert und mich dafür gehasst, dass ich nich Nein gesagt hätte.

Nicht umsonst arbeiten. Wiederhole: Nicht umsonst arbeiten.

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3 Gedanken zu „Nicht umsonst arbeiten. Wiederhole: Nicht umsonst arbeiten.

  1. Wow, wenn sich ein Organisator wirklich so aufführt, kann echt nicht mehr geholfen werden 😣 Absagen war da sicher die richtige Entscheidung.

    Wegen Honorar: IMHO sollte man über Geld immer reden können. Nur weil man nachfragt, heißt das ja noch lange nicht, dass man unbedingt darauf besteht 🙂

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