Vienna Writer Authorpreneur

Buechermarkt im “Second Life”

Am 26. Jänner fand sich im Literatur-Café ein Artikel über die neue Art des Buch- und Autorenmarketing im Internet: “Second Life” (SL).

Das Onlinespiel der amerikanischen Softwarefirma Linden Lab bietet das, was an sich jeder gerne hätte: ein zweites Leben, in dem man aussehen kann wie man will, wohnen kann wie man mag und außerdem auch noch in der Lage ist zu fliegen. Alle Freunde findet man auf einen Klick auf der ganzen virtuellen Welt (solange sie online sind) und jeder kann eine Harley oder einen Porsche fahren, wenn er nur auch dafür bezahlt. Wenigstens das ist noch wie im normalen Leben – man muß die einzelnen Features und Gimmicks bezahlen. Mit echtem Geld via Master- oder VisaCard. Nur das virtuelle Leben ist kostenlos, aber das kennen wir auch von der Realität. Wer sich in einem Vehikel fortbewegen will, muß dafür dann eben einige Hundert L$ (Linden Dollar) über seine Kreditkarte laufen lassen. So dramatisch ist das noch nicht; 800L$ sind in etwa 3,30 US$, also auch etwas über 3 €. Aber wenn noch ein Haus dazukommen soll plus diveres Kleinkram, kann man schonmal 20 € los sein; ganz schön viel Geld für “eigentlich nichts”.

Wie auch immer. Den steigenden Trend, sich ein zweites Leben zuzulegen, hat nun auch die Buchindustrie erkannt. Im Blog des englischen Guardian stand kürzlich ein Artikel über gut besuchte Dichterlesungen im “Writing and Performance Centre” von Karen Wheatley auf Info Island 11 im SL und die deutsche Firma Bokowsky + Laymann GmbH bietet werbewilligen Kunden ganze Solution-Pakete, um selbige Werbung dann gezielt im SL zu platzieren.

Das Londoner Verlagshaus “Snowbooks” mit angeschlossener Buchhandlung hat nun das Naheliegende tatsächlich virtuell umgesetzt: eine SL Buchhandlung, in welcher SL Bücher zumindest auszugsweise direkt im Spiel gelesen werden können. Besonderes daran ist, daß es sich um real erhältliche Bücher handelt. Mit “Book of the Month” und einer Reihe aktueller Neuerscheinungen wirbt Snowbooks mit der aktuellsten Lektüre. Gleich neben den SL Exemplaren findet sich meist auch ein Link zu Amazon; der lesedurstige Spieler kann sich das reale Buch direkt mit einem Klick im realen Leben zulegen und lesen. Klingt an sich wirklich spannend. HIER geht es für Second Life Spieler über einen sogenannten SURL-Link direkt zum Snowbooks SL Shop. – Ja, man kann sich über Internetlinks zu den jeweiligen Orten im Spiel direkt teleportieren lassen!

So zum Beispiel auch zu Changmi, einem SL “News Stand”, der SL Magazine vertreibt und sich einen SL Store mit dem amerikanischen Onlineshop Coelacanth Books teilt. Letzterer bietet ausschließlich seltene, alte und ungewöhnliche Bücher an. Die “Einführung in das Büchersammeln” ist bereits für 1L$ zu haben, viele Exemplare kostenlos oder für relativ wenig Geld. Coelacanth Books gibt an, daß die Einnahmen direkt an die Autoren der Bücher gehen; außerdem wünscht der Betreiber ausdrücklich eine Zusammenarbeit mit weiteren Autoren. Wer also Interesse an einer Veröffentlichung im SL hat, der ist hier also genau richtig.

Wer mehr auf die klassische Lesung in einer Traditionsbuchhandlung steht, der sollte es im Mill Pond versuchen. Dieser Buchladen ist ja viel mehr so nach meinem Geschmacke… *s* Mill Pond ist ein Projekt von Shakespeare & Company und in Anlehnung an das “Original” finden hier wöchentliche Lesungen statt, bei denen Autoren ihre Werke laut vorlesen oder als SL Notecard verteilen können.

Alles in Allem ein sehr interessantes Projekt, das sicher weitere Verbreitung finden wird, solange noch Menschen ein zweites Leben suchen. Linden Lab sieht, wie viele andere mittlerweile auch, im SL die Zukunft des gesamten Internet – mich erinnert es ein wenig an die Matrix und ich versuch mir nicht vorzustellen, an welchen Stellen im Hinterkopf ich dann in Kürze Anschlüsse zu meinem zweiten Leben haben muß, um ein Buch bestellen oder auch nur lesen zu können. In jedem Fall aber ist der Büchermarkt im Internet eine gute und weitverbreitete Ergänzung zu den Möglichkeiten, die man als Leser und Autor bisweilen hatte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.