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Lesung: Alfred Dorfer – „Woertlich“

Gestern war es nun soweit – mit meinem Buch bewaffnet war ich eine Stunde vor Beginn der Lesung da und hatte noch fast freie Platzauswahl. Gegen halb sieben waren dann auch die letzten Sitzplätze belegt, um dreiviertel sieben war fast kein Durchkommen mehr.

Der Beginn der Lesung war mit kleineren technischen Schwierigkeiten bezüglich des Mikrophons belastet, die Stimmung war darüber nahezu ausgelassen -> ? Bei jedem anderen hätte es ein müdes Lächeln gegeben, schon allein Dorfers „Stellenwert“ als Kabarettist muß wohl zur allgemeinen Erheiterung beigetragen haben… Und zugegeben, er versteht sich in seinem Fach. Zwischen Lesung und Erzählung führte er die zahlreichen Zuschauer durch die Kapitel; von ‚Indien‘ nach Wien und ins benachbarte „Schwellenland“. Gern hätte ich weggehört, waren dies ja im Buch bereits die Texte, bei denen ich aufgehört hatte zu lesen. Ãœber die Deutschen, ihre Politik und die wirtschaftlichen Probleme – fast ein Wunder, daß nicht mehr Leute von da auswandern. Zu wahr um schön zu sein! Mit kleinen Tränen in den Augen folgte ich Dorfer weiter von meiner Heimat wieder zurück nach Wien, wo ein gerade 30jähriger gerade allein seinen Geburtstag feiert und einsieht, daß wie alle alleine sterben… Das Publikum noch immer ausgelassen und ich frage mich erstmals, ob wirklich keiner zugehört hat. Lachen sie alle nur aus Höflichkeit oder weil es ein Kabarettist so verlangt?

Nach wie vor stehe ich mit gemischten Gefühlen und am Rande der Tränen in der langen Reihe vor dem Signiertisch. Es muß anstrengend sein, immer höflich zu lächeln und stundenlang für (Nicht-?)Zuhörer Bücher zu signieren, denke ich. Brav erfragt er von jedem den Namen, schreibt und lächelt. Buch um Buch, alle gerade neu gekauft, frisch der Plastikfolie entschlüpft und ohne jeden Makel. Viele werden wohl auch so bleiben. Meines hingegen bereits ein paar Wochen alt und zumindest zu zwei Drittel schon belesen; das einzige in der langen Reihe, das schon etwas ‚angegnabbelt‘ ausschaut. Ich reiche es ihm, er wartet, wohl darauf, daß auch ich meinen Namen sage. „Klaudia. Mit K“ schwach meine Stimme von der Anstrengung, nicht in Tränen auszubrechen. Er schreibt, betrachtet die Zeile etwas verwundert ob des ungewohnten Schriftbildes, setzt seinen vertrauten eigenen Schriftzug darunter und reicht mir das Buch zurück. Ein leises „dankeschön“ schaffe ich noch. Aber das „Zu wahr um schön zu sein“ bleibt mir im Halse stecken und ich gehe…

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