Natalie Goldberg: „Schreiben in Cafes“

Tja, vom Titel magisch angezogen, konnte ich neulich nicht umhin, mir für einen Büchergutschein „Schreiben in Cafés“ zuzulegen. Ich muß zugeben, ich wollte das Buch schon länger haben, hatte mich aber nicht wirklich über dessen Inhalt informiert. Irgendwie war ich davon ausgegangen, daß Bücher aus dem Autorenhausverlag gut sein müssen… So war ich also auch etwas überrascht, einen Ratgeber über kreatives Schreiben in der Hand zu halten. Nun gut, schaden kann es ja nicht, dachte ich mir und las fröhlich drauf los.

Natalie Goldberg ist der Meinung, jeder könne schreiben, wenn er es nur wollte. Prinzipiell ist da ja nichts gegen einzuwenden. So berichtet die Autorin an vielen Stellen von Schreibkursen, die sie immer wieder an unterschiedlichen Einrichtungen gibt. Die meisten davon irgendwo im mittleren Westen der USA. Außerdem kreisen einige andere ihrer Berichte um eine einmonatige Europareise, die sie mit einer – ebenfalls schreibenden – Freundin unternommen hat. Schreiben verbindet; man sollte sich generell an Autorenstammtischen, etc. beteiligen und Erfahrungen austauschen. Es kann ja nicht angehen, daß Autoren immer nur alleine daheim säßen und schrieben. Aber schreiben muß man schon jeden Tag. Das ist sicher. Ihr Vorschlag sind Unmengen billiger Spiralbücher, von denen man dann am besten so wie sie jeden Monat eines vollschreibt. Fleiß und Ãœbung, und schon kann jeder schreiben. „Und wenn das Buch nicht veröffentlicht wird, dann schreiben Sie halt das nächste.“ Und wenn man so keine Fortschritte macht, dann muß man eben seinen Job kündigen um mehr Zeit zum Schreiben zu finden… Ok, das letzte war jetzt etwas überspitzt, aber das Buch kann man durchaus so verstehen. Goldberg macht allen Mut, auch allen, die überhaupt kein Talent haben, sondern einfach nur schreiben wollen. Egal aus welchem Grund, aber den sollte man doch gelegentlich mal überdenken. Ich finde einige der Vorschläge oder Ideen etwas übertrieben euphorisch, andere halte ich für schwer durchführbar. Aber möglicherweise ist im Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten einfach alles machbar. Die Texte sind sehr amerikanisch koloriert, mit herben Einschlägen aus dem Zen-Buddhismus, untermauert mit unzähligen Zitaten des Zen-Meisters Dainin Katagiri Roshi, bei dem die Autorin Anfang der 80er in die Lehre ging. Ein wenig erinnert das Buch stilistisch an jene von Bärbel Mohr, aber [zynismus] ich weiß noch nicht, wo ich jetzt eine neue Schreibmaschine und das passende Talent bestellen soll. Kann man das auch verschenken? [/zynismus]

Das eigentliche Kapitel über das Schreiben in Cafés ist immerhin 5 Seiten lang, wovon eine Seite über Goldbergs Aufenthalt in einer Hütte im Norden von Minnesota handelt. ^^ Ein dagegen sehr beruhigendes Kapitel fand ich ja dasjenige über Raum zum Schreiben. Zitat: „Es ist selbstverständlich, daß im Arbeitszimmer aufgeschlagene Bücher, mindestens eine Tasse mit einem alten Teerest, herumfliegende Zettel, Stapel von unerledigter Post, angebrochene Keksschachteln und einzelne Schuhe zu finden sind. … Zen-Lehrer sind der Meinung, daß unsere Räume etwas über den Geist seiner Bewohner verraten. … Es gibt Menschen, die sich vor dem leeren Raum fürchten; … Es ist vergleichbar mit unerer Angst vor geistiger Leere, die dazu führt, daß wir ständig Gedanken und Dramen entwickeln.“ Jetzt hab ich wenigstens eine valide Ausrede für das schreckliche Chaos, das immer bei mir herrscht…

Für Jungautoren oder Hobbyschreiber ist das Buch gut, es enthält viele Ãœbungen und nützliche Tips. Erfahreneren Schriftstellern hilft es damit sicher auch aus einem langanhaltendem Writer’s Block. Es ist sehr leichtgängig und liest sich schnell runter. Gut verständlich mit Metaphern aus quasi jedem Lebensbereich, daß auch wirklich jeder folgen kann. Aber überzeugt hat mich das oft gelobte „Standardwerk des kreativen Schreibens“ nicht wirklich. [rating:2]

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