Spätestens seit Cambridge Analytica ist klar, womit Facebook sein Geld verdient – nämlich damit, dass es unser Verhalten online wie offline aufzeichnet, analysiert, weiterverarbeitet und den Zugang zu unseren daraus entstandenen Verhaltensprofilen weiterverkauft. Dadurch, dass die Datenschutzeinstellungen für die einzelnen Facebook-Nutzer erst einmal irgendwo in den Tiefen der Profiloptionen versteckt sind und dann auch noch sehr undurchschaubar und manipulativ formuliert, sind viele bei den “default Einstellungen” geblieben – nämlich: FB hat vollen Zugriff auf das eigene Konto und auf die der Freunde. Das heißt, man lässt Facebook nicht nur über die eigenen Daten verfügen, sondern auch über die, mit denen man auf dem Netzwerk verbunden ist, ohne, dass die dabei ein Wörtchen mitzureden hätten.

Ich will nicht mehr auf Facebook sein. Als ich 2005 mein Konto dort eröffnet habe, tat ich das auf Einladung meiner Cousine – meine Familie ist 1.000km weit weg und es war damals “eine schöne Sache”, mit ihnen in Verbindung zu bleiben. Besser als StudiVZ, da war kaum jemand von ihnen. Ich habe FB jahrelang viel genutzt und fand es auch immer schade, wenn andere die Plattform wieder verlassen haben, aber die anderen waren einfach schlauer als ich damals. Übrigens war meine Cousine die erste, die von FB wieder weg war.

Vor einigen Jahren habe auch ich aufgehört, FB aktiv zu nutzen. Ich würde auch gern meinen Account komplett löschen, aber ich habe zwei Probleme:
1) eine Autoren-Fanpage mit etwas über 600 Followern
2) In den letzten Jahren habe ich mehrere Kurse/Fortbildungen gekauft und alle haben eine FB-Gruppe für den Austausch, Kursmaterial, teils wöchentliche FB-Live-Sessions, etc.

Ich kaufe einen Kurs um € 400,-, € 500,- oder auch € 2.000,- und auf meinen Hinweis, dass ich nicht an der FB-Community teilnehmen möchte bekomme ich dann jeweils in etwa die Antwort: Natürlich könne man mich nicht zwingen, aber “das ist ja schade, dann nimmst Du Dir selber den wichtigsten Teil des Kurses, wo man Fragen stellen, sich mit den Leuten austauschen kann und wo der neue Input/das neue Material zur Verfügung gestellt wird.”

Ich hab auch schon Verlagsausschreibungen bzw. Ausschreibungen für eine Audiobook-Produktion gesehen, wo man einen eingesprochenen Text zwingend über FB auf eine Seite hochladen musste. Keine Annahme auf einem anderen Weg. Abgesehen davon, dass ich ein Problem mit den Rechten am hochgeladenen Material sehe, wie kann das denn sein, dass ich auch für eine Stelle als Sprecherin zwingend ein FB-Profil brauche, um an der Ausschreibung teilzunehmen? Nein, da habe ich dann wirklich nicht mitgemacht, obwohl ich schon gern eine Sprecherrolle in der Produktion gehabt hätte.

Da läuft doch was ganz falsch!
Es kann doch nicht sein, dass ich genötigt – nicht gewungen, aber genötigt – werde, meine Daten an Facebook und wer weiß wen noch alles weiterzugeben und bei z.B. einem Coachingprogramm teils sehr persönliche Informationen in so einer Gruppe oder via FB Messenger zu teilen.

Ich gehe davon aus, dass es die Kursanbieter nicht vorher wussten. Von einem hab ich eine sehr abtuende Reaktion bekommen, sein Kursmodell würde mir nur einfach nicht passen und ich wolle ja nur, dass er sich ändert und nur alles, was ich mache, wäre richtig.

Ganz ehrlich? Nein. Ich freue mich, wenn ich neue, bessere Möglichkeiten kennenlerne, wie ich es selbst besser machen kann.Ich hänge auch nicht an meiner Meinung, vielleicht hat jemand viel bessere Argumente und ich hab dann wieder was zum Nachdenken und kann mich mit einem Thema noch tiefer auseinandersetzen. Aber mich nervt gewaltig, dass ich so abgehandelt wurde auf meinen Einwand, dass eine FB-Gruppe vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

Aber darauf kam nur, dass alle, die keinen Facebook-Account hätten, eh auch kein Interesse an Fortbildung XY hätten. Punkt.
Ach. Doch. Ich.

Ja natürlich ist FB die einfachste und naheliegendste Wahl. Kann ja keiner ahnen, dass so Querulanten wie ich das hinterfragen könnten.

Natürlich kostet es kein extra Geld, man bezahlt schließlich damit, dass man sich selbst und seine Freunde an dubiose Analysefirmen verscherbelt.

Natürlich ist es einfach zu bedienen – ja sicher, die Plattform hat genug Geld, das sie für unsere Profile von Ad-Netzwerken bekommen hat, dafür ausgegeben, dass wir so lange wie möglich dort bleiben und ihnen wiederum noch mehr Daten generieren, hochladen und teilen.

Momentan ist Facebook gerade dabei, die schon in den USA sehr umstrittene Gesichtserkennung in Europa auszurollen. Vorwand: die DSGVO. “Damit sie unsere Daten besser schützen können”, brauchen sie jetzt noch mehr davon. Nein, so geht Datenschutz nicht. Die oberste Direktive der DSGVO ist Datensparsamkeit, also gleich von Anfang an mal so wenig davon produzieren, wie möglich. Unter diesem Vorwand ist die neue Sammelwut umso dreister.

Ich will dort nicht mehr sein. Ich habe mir gerade gestern mal die Daten runtergeladen, die FB von mir gespeichert hat. Ich werde den Account so schnell wie möglich löschen – spätestens, wenn sie mich dazu zwingen, die nächsten Datenschutzbestimmungen zu akzeptieren, die ich aber nicht akzeptieren möchte. Ich kann und will das ethisch nicht mehr verantworten. Und wenn ich mich dann aus den Gruppen rausschneide und mir die Möglichkeit nehme, Fragen zu stellen, dann sei’s drum. Es ist offenbar ohnehin nicht gewünscht, dass ich die Fragen stelle, die ich stellen möchte. Nämlich: Gibt es auch eine Alternative zu der FB-Gruppe?

Mein Problem mit Facebook

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3 Gedanken zu „Mein Problem mit Facebook

  1. Hallo Klaudia,

    um Ihre Frage zu beantworten: Ja, es gibt Alternativen zu facebook (ich bin übrigens selber nicht dort), dass sind die sogenannten freien Netzwerke, die sich sehr engagiert für den Datenschutz einsetzen.
    Meine Wenigkeit zum Beispiel betreibt ein (zugegebendermaßen bislang noch totes Forum (von dem ich mir aber erhoffe, wenn ich irgendwann mal die Webseite dazu fertig haben sollte, dass User das Forum dann auch nutzen), von dem aus ich ein Link auf “friendica” gesetzt habe.
    Der Vorteil dieses Forums ist es, dass man seine Daten problemlos löschen kann, seine Texte/Bilder/Videos, ja, sogar sein Konto ist im Grunde genommen in nur 2 oder 3 Klicks möglich (ich habe es jetzt gerade nicht im Kopf).
    Es werden keine Daten gesammelt, es gibt keine Werbung vom Betreiber (also von mir …)

    Es gibt aber auch Diaspora als weiteres freies soziales Netzwerk.

    Von daher: Alternativen gibt es.
    Die Problematik ist halt nur jene, dass es schwierig wird, den Platzhirschen damit die Stirn zu bieten. Zumindest kann ich mir vorstellen, dass viele FB-User gar nicht wechseln wollen, weil sie entweder die Vorteile gegenüber den Nachteilen sehen oder weil sie vieles nicht aufgeben wollen, sprich die ganzen Kontakte, die sie bei fb und Konsorten schon gesammelt haben.

    VlG
    Michael Vogl

    1. Ja, das Problem mit den Platzhirschen sehe ich auch. Es scheint auch so zu sein, dass die Menschen nicht mehr willens sind, sich auf mehreren Portalen anzumelden – ist ja alles so bequem in einem. Ich selbst nebutze auch Mastodon und habe tatsächlich auch einen Vero Account, wobei bei letzterem nicht viel los ist.

      Für die Schreibgruppe werde ich wohl auf meiner Kursseite ein geschlossenes Forum machen, weil ich mich selbst von der FB-Gruppe verabschieden werde – in der Hoffnung, dass die Schreibkollegen das Angebot annehmen.

  2. Ich sehe die Probleme mit FB ähnlich – und es ist aktuell leider einfach so, dass es nicht wirklich eine adäquate Alternative gibt, anders als bei WhatsApp. Ich habe mir letztens die Zeit genommen, die vorgeschlagenen Datenschutzeinstellungen von Facebook in Ruhe durchzugehen. Personalisierte Werbung, Gesichtserkennung, Zusammenarbeit von FB mit WhatsApp, Oculus und Instagram – alles ist nur zu meinem Nutzen. Das ist einfach scheinheilig. Ein komplettes “Quit” finde ich persönlich derzeit dennoch schwierig, aber es ist wichtig, möglichst viel zu unterbinden und sich bewusst zu sein, wie bei FB agiert wird.

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