| |

Die Ösis und die Piefkes

Es ist kaum zu glauben, aber der Standard-Artikel bringt die Diskussion mal wieder ins Gedächtnis – der Autor benennt es mit „Germanophobie“ und es findet hier täglich statt. Aufhänger war offenbar ein ‚etwas‘ zu ruppiger Umgang mit einer deutschen Journalistin, was darauf folgt finde ich noch viel schockierender: (Zitat)

„Ein anderes Beispiel für die irrtümliche Anwendung transparenter Standards nach westeuropäischem, gar deutschem Vorbild: In der ORF-Debatte „Im Zentrum“ kritisiert der Theologe Ulrich Körtner „österreichischer Staatsbürger mit deutschem Akzent“ den Arzt Johannes Huber. Daraufhin muss sich Körtner von Huber sagen lassen, er habe ja keine Ahnung, schließlich gelten ja in Österreich andere Standards, „als dort, wo Sie herkommen“. Moderator und Co-Diskutanten schweigen.

Die Standards, kurz zusammengefasst: Rechtsstaatlichkeit, öffentliche Debatte, Benennung und Ãœbernahme von Verantwortung, Respektierung von Minderheiten- und Verfassungsrechten: eine Kärntner Ortstafeldebatte wäre in Deutschland denkunmöglich.“

Dass genannter Professor Körtner hier an der Wiener Universität der Zweitgutachter meiner Dissertation ist, war nur der Grund für den vordergründigen Schreck, viel tiefer sitzt die Verwunderung, dass „Germanophobie“ nicht nur auf der Straße passiert, sondern offenbar auch in Kreisen, in denen man ein gewisses Maß an intellektueller Leistung erwarten können sollte, zumal es sich nicht um eine politische Debatte handelt, sondern um sichtbar persönliche Probleme mit der Herkunft des Gesprächspartners.

Mir selbst ist es ja auch schon passiert, ein sehr unerfreuliches Erlebnis im Jänner 2006. Das erste und hoffentlich (!!!) letzte seiner Art. Ich saß grad im Hawelka, hatte meine Mélange grad vor mir stehen und eben die ersten drei Zeilen gelesen, da setzten sich zwei Herren mittleren Alters und höherer Promillezahl zu mir an den Tisch. Der eine sehr nett, sehr freundlich, Regisseur von irgendwelchen Filmen, der andere war leider überhaupt nicht nett – und Polizist. Der ist mir dann auch ein wenig zu nah getreten; legte die ganze Zeit seinen Arm auf mein Bein und fing irgendwann an, an mir rumzugrabschen, was zur Folge hatte, dass Herr Hawelka senior irgendwann rüberkam und sich für die Gäste entschuldigte. Aber unschön war vor allem, als der Polizist mich dann lautstark beschimpfte, dass ich widerliche Deutsche ja den guten Österreichern ’nen Studienplatz wegnehme und das ganze Hawelka konnte Wort für Wort hören, dass ich böse Deutsche mich dort ja eingeschlichen habe um die guten Österreicher auszunutzen und dass ich doch bitte wieder dahin gehen soll, wo ich hergekommen bin. Das hat wirklich gesessen… Sowas hatte ich ja noch nie! Dem anderen Herren war das sehr peinlich und Herr Hawelka junior war auch die ganze Zeit im Blickfeld, dass nicht noch mehr passiert und hat den Polizisten dann kurz später auch hinausbefördert…

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert