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3. Advent – Weihnachten unter Sternen

Weihnachten unter Sternen

Die Nacht stieg auf und mit ihr der Mond. Sein fahles Licht legte einen Schleier aus schimmerndem Silber über die ruhige, weiße Welt. In stiller Stetigkeit glitt er über den Himmel, während unten auf der Erde die Menschen das Weihnachtsfest feierten. Die ersten Sterne funkelten auf, blitzen und blinkten. „Mond, Mond, wir sind auch noch hier! Schein‘ nicht so hell sonst sieht uns ja keiner!“ riefen sie und funkelten noch angestrengter. Jeder versuchte, heller und schöner zu scheinen als der andere, damit die Menschen sie sähen. Der Mond schmunzelte über diesen Wettstreit und glitt weiter still durch die Nacht. Immer mehr Sterne kamen nun heraus, alle wie Kristalle so scheinend am Nachthimmel und jeder heller als der andere.

Ein kleiner Stern aber, der nicht so hell strahlen konnte, war dabei. Er war sehr traurig, denn niemand schenkte ihm Beachtung. Viel zu hell strahlten die anderen Sterne, viel zu hell war das fahle Mondlicht und die Menschen, die zum Himmel hinaufschauten, konnten den kleinen Stern nicht einmal sehen. So kauerte er sich in eine kleine Ecke der Milchstraße und begann bitterlich zu weinen. Lauter kristallene Tränen fielen zur Erde und jede einzelne war eine helle Sternschnuppe. Die Menschen liefen auf die Straßen um das außergewöhnliche Spektakel zu sehen – dies musste das Weihnachtswunder sein, das sie beobachten durften! „Hey, kleiner Stern! Schau die Menschen unten an!“ rief ihm der Mond zu und ein Raunen ging durch den Himmel, als alle Sterne sich suchend nach dem Ursprung der kristallenen Tränen umschauten. Für einen Moment vergaßen sie, sich anzustrengen und der kleine Stern konnte all die Menschen sehen, die mit offenen Mündern zu ihm heraufblickten. Als er das sah, weinte er nur noch umso mehr – nicht aber aus Traurigkeit, doch vor Freude darüber, dass er nun doch beachtet wurde. Er war so stolz, dass er ganz hell wurde und alle anderen Sterne überstrahlte. Und die Menschen sahen ihn und allen war plötzlich klar, dass dieser helle Stern der Weihnachtstern war.

Doch nur der Mond und die Sterne wussten, dass das eigentliche Weihnachtswunder nicht die Sternschnuppen waren, sondern dass ein kleiner Stern, gerade noch klein und glanzlos, doch etwas ganz besonderes vollbracht hatte und in dieser heiligen Nacht von allen beachtet und geehrt wurde.

Und der Mond glitt weiter still über die schneebedeckte Welt – dem neuen Tag entgegen.

© Klaudia Zotzmann

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