Klaudia und Anni darüber, dass Autorensein im Kopf beginnt und was das Autorenbusiness so alles mit sich bringt. Nebst einer Philosophie des Scheiterns, Einer für Alle und Alle für Einen und den verschiedenen Income Streams von Autor*innen.

Musik am Beginn: Adam Selzer, “Vintage News”

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Shownotes:
Links:

Sendegarten “Schutzkraut” vom 24. Mai 2018
Podcast Miniserie “DSGVO – an sich ganz easy”
DSGVO Artikelserie auf viennawriter.net

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Anni Bürkl, Texte & Tee
einbuchschreiben.at
Annis erstes Buch: “Schwarztee”
Chili con Amore

Book on Demand
IG Autorinnen Autoren

VG Wort (De)
LiterarMechana (At)

Patreon (Klaudias Patreon Seite)
Flattr (Klaudias Flattr Profil)

Joanna Penn
Cory Doctorow

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Notizen:

Anni Bürkl, Texte & Tee
Autorin, Lektorin, Ghostwriter, Schreibcoach

Mein erster Blog bestand von 1999 bis 2001. Ich hab ihn nach einem Shitstorm geschlossen.

Das sind keine grauen Haare, das sind Wisdom Highlights!!!

Selbständig machen nach 9/11 und dem Zusammenbruch der Internetblase war auch sehr mutig.

Es fing bei Anni alles mit einem Sachbuch an.
Theodor Körner Förderpreis
Krimis kamen dann auch. Und Verlagsverträge. Schwarztee war der erste.

Es gibt keine fehlerfreien Bücher. Irgendein Hund bleibt immer.
Man braucht zeitlichen Abstand, um die Fehler selbst überhaupt sehen zu können.

Journalismus ist in Österreich leider schlecht bezahlt.
Jedes Land hat den Journalismus, den es verdient. Wenn man nicht ordentlich zahlt, dann hat man eben das, was da gratis in den Ubahnen liegt.

Radiojournalismus hat Anni übrigens nie gemacht. 😉

Irgendwann muss man sich entscheiden: Macht man das als Hobby oder macht man einen Job daraus?

Bezahlung ist ein klassisches Frauenthema: Oft durch mangelndes Selbstwertgefühl.
Solange man mit 20 in einem WG Zimmer wohnt, mag wenig Bezahlung ja noch angehen, aber niemand will sein Leben lang in einem 10qm Zimmer wohnen. Die Katze auch nicht.

Wenn man viel verkaufen will, muss man auch schauen, was gefragt ist. Und dann muss man sich fragen, will ich das machen oder will ich meine Stimme behalten.
“Ich schreib nur das, was ich will” ist leicht zu sagen.
“Ich schreibe, was der Markt will” klingt immer gleich anrüchig, weil wir machen ja alle “Kunst”.
Die eigene Stimme und was man machen mag kann man auch mit dem Markt zusammen bringen.
Trends bedienen und zeitgleich etwas Eigenes machen geht durchaus.

Geschichten schreiben, die man nicht schreiben will, funktionieren nicht.
Wir haben hier keine Kultur des Scheiterns. Aber man sollte trotzdem darauf gefasst sein, dass Dinge schiefgehen können. Und werden. Murphy udn so.
Sagen “Das hat jetzt nicht funktioniert” befreit unglaublich.

Anni ist “Hybridautorin”, sie hat sowohl Verlagsbücher als auch Selfpublishing Titel.
Beides hat Vor- & Nachteile.
Beim Selfpublishing darf man alles selber entscheiden. Man MUSS es aber auch selbst entscheiden.

Die deutschsprachige Buchbranche ist klein und man trifft sich immer zweimal.
Karma gibt es.

Man muss in der Branche zusammenstehen. Autor*innen sollen keine Scheiße bauen und anderen schaden. Man macht kein Zeug für Dumpingpreise. Man liest nicht gratis. Einer für alle und alle für einen.
Einfach nein.
“Aber das ist das erste Buch …” “NA UND?!”
Kinotickets oder Konzerttickets kosten auch Geld.
Lesungen dürfen Eintrittsgelder nehmen.
Wenn jemand keine €5,- Eintritt zahlen kann, kann man ja auch drüber lesen. Die Veranstalter von Lesungen sind meist kleine Buchhandlungen und kennen “ihre Pappenheimer” ja.
Nur 10% der Besucher einer Lesung kaufen ein Buch. Alle anderen haben es schon und möchten es signieren lassen.
Es geht darum, den Autor, die Autorin besser kennenzulernen. Und beim Lesen des Buches hat man danach immer die Stimme des Autors im Kopf.

Tipp: Es gibt Möglichkeiten, Lesehonorare vom Staat fördern zu lassen. Österreich liest, Kriminacht, etc. sind gut, da eine große Veranstaltung mehr Besucher anzieht. Mit so einer Förderung muss der Veranstalter dann nicht das gesamte Lesehonorar aufstellen.

Dinge ändern sich. Auch der Buchmarkt hat eine ziemliche Änderung durchgemacht.
Vor 20 Jahren fing das mit BoD grad mal an. Und wenn man damals einen BoD Titel hatte, brauchte man sich bei keinem Verlag mehr blicken lassen.
Autor*innen, Lektor*innen, … haben ja alle viel mehr Autonomie gewonnen.

In den 90ern gab es “Autorenhandbücher”, wo man sich die Verlage rausgesucht hat!

Auch die Autor*innen sind selbstbewusster geworden. Man muss sich nicht mehr alles unterjubeln lassen.

Lektion 1: Verträge lesen lernen.
Lektion 2: Verhandeln lernen.

  • 10% vom Netto-Buchhandelspreis = gut
  • 10% vom Netto-Verlagsabgabepreis = schlecht
  • Dauer des gesetzlichen Urheberrechts = 70 Jahre nach dem Tod des Autors/der Autorin. Bedeutet, man selber sieht die Rechte an diesem Buch nie wieder.
  • Nebenrechte (eBooks, Audio, Verfilmung, etc.) kann man sich auch selbst behalten oder nach einer Weile (4 Jahre?) zurückrufen, falls sie nicht ausgeübt werden.
  • Man kann Kolleg*innen fragen.
    Man kann Mitglied bei der IG Autorinnen Autoren werden und dort eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen.

    Verhandeln ist völlig normal und üblich. Auch Autor*innen dürfen das.

    Auch Verwertungsgesellschaften wie VG-Wort und LiteraMechana sind finanziell durchaus ein valider Punkt. Die Mitgliedschaft kostet nichts, sie kriegen Provision von dem, was sie für die Autor*innen “eintreiben”. Bibliothekstantieme beispielsweise oder Tageszeitungen/Zeitschriften.

    Bücher klauen ist unfair.
    Das Modell vom Cory Doctorow dagegen ist cool. Bücher unter Creative Commons rausgeben und die Möglichkeit geben, zu spenden oder die Bücher zu kaufen, scheint zu funktionieren.
    Patreon & Flattr basieren ja auch auf dem Spendenprinzip, dass viele Kleinstspenden zusammenkommen.

    Almende – die Weide, die allen gehört.
    Eigentlich sollten alle von allem leben können.
    Es wäre auch total super, wenn Kreativarbeit normal bezahlt würde, wie jede andere auch.
    Die Planwirtschaft der DDR war allerdings auch nicht die Lösung.

    Fokus? F00!

    Solange das Internet besteht, sind die Möglichkeiten dort natürlich größer.
    Auf dem Marktplatz stehen bringt deutlich weniger Reichweite.

    Jetzt kann man im Onlinebusiness noch alles testen, ausprobieren, wie das alles funktioniert, bis im Frühjahr 2019 die ePrivacy-Verordnung kommt.

    Das Schreiben war bei Anni eine schleichende Kriminalisierung der Autorin. 😉

    Annis Tipps:

  • Es dauert ein paar Jahre, bis man seine eigene Stimme hat.
  • Man sollte sich mit der Sozialversicherung auseinandersetzen.
  • Auf die Gesundheit schauen, Pausen machen und sich nicht verausgaben.
  • Exposés sind die Vorhölle. Aber: Dem Exposé einen Klappentext voranstellen, kann gut funktionieren.
  • Wenn man mit einem Verlag zusammenarbeiten möchte, sollte man sich professionell verhalten.
  • Danke, Anni! 🙂

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    VWP032 Mehr Autonomie für Autor*innen

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