Vienna Writer Authorpreneur

VWP014 Fragmentiertes Erzählen

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avatar Lena Falkenhagen

Klaudia Zotzmann-Koch spricht mit Lena Falkenhagen über SciFi, das Schreiben für Games, Charakterentwicklung – auch für virtuelle Charaktere -, Happy Ends und warum die Buchbranche so zurückhaltend geworden ist.

Musik: Adam Selzer, “Vintage News”
Titelbild: frühmorgens bei der PlayAustria

Shownotes:
Links:
Lena Falkenhagen
Twitter: @LenaFalkenhagen
SF Roman: Justifiers 2: Undercover
Historischer Roman: Das Mädchen und der schwarze Tod
PAN – Phantastik Autoren Netzwerk
Schriftstellerverband
Klaudias Website
Klaudias Patreon Seite

SMS Verschlüsselung / sichere Messenger:
Signal (Apple Appstore / Google Playstore)
Threema (Apple Appstore / Google Playstore)

Mailverschlüsselung:
GPG Suite für OSX
Mailverschlüsselung für Windows

Barbara Wimmer: Smart Lies, Spooky Spies
Andrzej Sapkowski – Fantasyroman im Slawischen: Der Hexer / Witcher
W. Hohlbein: Märchenmond

PlayAustria – erste österreichische Gamer Messe

Drakensang Online
Witcher 3
FarCry 4
Grand Theft Auto 5
SouthPark Spiel
Papers, please

Star Trek Discovery
Fluch der Karibik
The Dark Knight
Buffy, the Vampire Slayer

Chatbots
MicroSoft Tay
Barbara Ondrisek: Mica the Hipster Cat Bot

***
Science Fiction: Wenn die Realität schlimmer ist, als man es sich als Autor ausdenken kann …

Barbara Wimmer: Smart Lies, Spooky Spies

SMS Verschlüsselung
eMail Verschlüsselung
Metadaten töten trotzdem

Sobald jemand den kriminellen Willen hat, die Datenmengen zu nutzen – dass das noch nicht im großen Sinne aufgetreten ist, schützt uns gerade noch.

bequem vs. sicher

Kein Crack -> keine Hard Science Fiction schreiben. Dazu müsste man ein Technik Studium absolviert haben, denn die Leser legen die Details auf die Goldwaage.

Fundierte Recherche ergibt glaubhafte Welten.

80er Jahre SF – Space Opera mit den Vorbildern Starbuck (neue BSG Verfilmung) & Harry Dresden

Genremix & Ich-Perspektiven
DSA Fantasy Romane

Computerspiele:
Drakensang Online
Welt & Charaktere geschrieben
MMORPG – multi massive online role playing game
Job ist sehr vielfältig. Angefangen beim Entwerfen von Kontinenten bis hin zu dem Text, den die User tatsächlich sehen.

Geschichte forterzählen – eine neue, interessante Handlung innerhalb eines bestehenden Settings. Spiele designen ist ein bisschen, als wenn man gemeinsam eine neue Staffel einer Serie baut.

Am Anfang und am Ende steht die Story.

Für Spiele schreiben ist anders als ein Buch schreiben.
Wiki Systeme für Gruppenkommunikation
Designdokumente / Tabellenprogramm für z.B. alle Kleidungsstücke, die für die Charaktere im Spiel benutzt wurden
Das Schreiben der Dialoge findet meist in einem eigens entworfenen System statt.

Fragmentiertes Erzählen
Erzählen mit dem Budget für Special Effects im Kopf – wieviel Arbeit kann man anderen Leuten machen …

Für das letzte Spieleupdate haben vom ersten Gedanken bis zum Livegang 60 Leute über 10 Monate an dem Projekt gearbeitet.

Tagesgeschäft im Gamedeseign: Events machen, Schreiben, Serverpflege, Bugfixes, …

Lena macht auch noch Vereinsarbeit für PAN und den Schriftstellerverband.

Als Autor wird man erst um „Viertel nach Zwölf“ dazugehört und hat wenig freie Hand beim Entwurf der Spielewelten. Oft haben die Leute schon sehr konkrete Vorstellungen.

Ein Projekt kann viel Spaß machen, weil die Menschen ganz viel erzählen wollen. Als Autorin kann man die Handlung dann „auswildern“ fokussieren und mit den Leuten die Vision umsetzen, die sie haben.

PlayAustria – erste österreichische Gamer Messe
Muss ein Spiel wirklich Spaß machen?
Critical Game Lab / Studiengang Game Design / Uni Klagenfurt

Zeitvertreib vs Storytelling
Krieg zwischen Story und Gameplay – bisher hat zumeist das Gameplay gewonnen. („Core game loop“)

Games als interaktive Filme …
Reduzierte Spielmechanik bei TellTale-games – und es macht trotzdem Spaß.
Charakter wird durch die Entscheidung des Spielers umgebracht – so intensiv kann das kein Roman. Wenngleich das nichts für Hardcoregamer ist, eher für Einsteiger, Umsteiger von Büchern oder Menschen, die Games sehr genießen.

Gamer Gate – Szene fühlte sich durch Feminismus und political correctness bedroht.
Früher waren Gamer Nerds. Das sind sie nicht mehr.
Diversifizierung ist eine spannende Entwicklung in der Game Szene.
Gegenwind: Schwul ist noch immer schwierig, weibliche Charaktere ebenfalls. Und Herr der Ringe wird oft mit Rassismusvorwürfen konfrontiert.

Witcher 3 – Spieleserie ist nach einer Romanserie geschrieben worden.
Andrej Sabkovski – Fantasyroman im Slawischen -> Vorwurf: Whitewashing, trotzdem in der Originalvorlage keine Menschen dunkler Hautfarbe vorkommen – was bei der slawischen Märchenwelt wenig wundert
Tolkien: Herr der Ringe
StarTrek Discovery erscheint nahezu zwanghaft „divers“ – zwei weibliche Hauptfiguren in den ersten zwei Folgen, weißer Klingone, Frau namens Michael, …

Aufgabe der Game-Autoren: Mittelding aus erlebbaren Büchern und erlernbaren Filmen machen

Spiele, die sich ernst nehmen, die eine Resonanz erzielen wollen, haben eine Story-Komponente.
Papers, please ist ein Kunstwerk. Es erzählt die Geschichte eines Grenzbeamten, der täglich zwischen den Leben von Hunderten Menschen und dem der eigenen Familie entscheiden muss.

Auch: Swurfminds – der User spielt Überlebende im Krieg, in einem stromlosen Haus, was sie alles tun müssen um zu überleben.

So wie es hohe Literatur gibt, gibt es mittlerweile auch hohe „Gaming-Literatur“.

AAA Games sind tendenziell oberflächlicher.
In DE wird vornehmlich Mechanik entworfen.

„Ob Games mehr in Richtung Stories entwickeln? ich würde es mir wünschen. Man erreicht leichter Menschen mit einer Message.“

Computerspiele werden sich noch eine Weile entwickeln; sie sind erst 35-40 Jahre alt im Gegensatz zu Theaterstücken, die 2.000 bis 3.000 Jahre alt sind und Romane gibt es seit dem 17. Jahrhundert.

Werden sich entwickeln: Edugames, VR, AR werden für Museen benutzt.
Welche Charaktere funktionieren in welchen Channels?
Visual Guides für Museen?

Der Mensch nimmt es sehr schnell übel, wenn man den Menschen zu gut imitieren kann. Wenn es zu nah an der Realität ist, ohne wirklich die Realität zu sein, das finden die Leute unsympathisch. Entmenschlichende Elemente wie z.B. blaue Hautfarbe werden dann eingesetzt.

3D- oder VR-Modelle von historischen Bauwerken, wo man Bauphasen übereinander stapeln kann, das wäre traumhaft – drehen, anfassen, reingehen, sowas würde ich mir wünschen. Lernfaktor.

Virtuelle Charaktere / Charaktere entwerfen für AIs
Persönlichkeiten entwerfen für Chatbots
Ein Autoren-Chatbot für Podcastfolgen, Bucherscheinungen, Lesungstermine, … wäre sehr charmant.
AI, die zurückspricht ist faszinierend.

AI – artificial intelligence – die im Netz von ihren Gesprächspartnern gelernt hat. (MS Tay?) Das Experiment wurde abgebrochen, weil sie sich zu einem rassistischen, homophoben, misogynen Arschloch entwickelt hat.

Charakterentwicklung muss immer ein Wofür haben.
Es hat immer einen guten Grund, warum eine bestimmte Figur in einem Buch oder einer Story ist. Es geht essenziell um ihre Emotionen oder Probleme.

Storydesign entweder charakterzentriert oder handlungszentriert.

Story, Welt und Charakter müssen miteinander zusammenhängen, sonst fühlt es sich für den Leser unrund an. Charaktere müssen eine Funktion erfüllen.

Barbara Ondrisek – der Chatbot ist ein neues Gesicht, das du dem Unternehmen gibst. Mensch, Tier, Roboter – eine frühe Grundsatzentscheidung, von der die weitere Entwicklung abhängt – das Gesicht, das ich der Welt zeigen möchte …

In Clippy steckte nie „ich bin Windows“.
Wie Logodesign – hat viel mit der Identität der Firma zu tun.

Die Charaktere machen die Message der Bücher/Games aus.

Figuren müssen auch die Möglichkeit haben dürfen, das Heft selbst in die Hand zu nehmen. Aber: Entscheidung zwischen Markt & Message. Momentaufnahmen können ein guter Kompromiss sein.

Zwangs-HappyEnds nehmen die Leser übel (z.B. Harry Potter)

Vermutlich wird das nächste Buch etwas Phantastisches/Übernatürliches haben … Vielleicht High-Phantasy. In Berlin?

Selfpublishing ist hochinteressant, auch als SP-AutorIn kann man z.B. PAN Mitglied werden.
SP hat aktuell noch ein Problem der Wahrnehmbarkeit.

SP ist eine valide Option, wenn man etwas schreiben möchte, das nicht in ein spezifisches Regal passt. Die Verlage warten auf das nächste große Ding, das aber nicht kommt.

Die Buchbranche ist sehr vorsichtig geworden, gehen keine Risiken mehr ein. Zwischendrin war „Mommy-Porn“ in – 50 Shades of Grey, etc.

Bestseller sind ja alle nichts Neues. Nur ein neuer Blickwinkel auf Altbekanntes; der richtige Mix und die richtige (humoristische) Einstellung und genug Budget dahinter. Genug Marketing-Budget schadet auch nicht. AAA Games, Blockbuster Hollywood Produktionen – immer dieselben Geschichten weil sie einfach ziehen. An der Heldenreise kann nicht viel schiefgehen.

Problem des Selfpublishing ist die Sichtbarkeit – wie kommt der Leser an den Content. Und die Qualitätskontrolle, die früher bei den Verlagen lag, trifft heute niemand. Die Schere zwischen Blockbuster und „unter ferner liefen“ öffnet sich immer weiter. Das Problem teilen alle Industrien, in denen sich Indies bewegen.

Brot verdienen ist als Autor schwierig.
10% der Autoren können vom Bücherschreiben (über)leben.
Männer liegen im Schnitt € 3.000,- über den Frauen.

Kunst ist im Mittel zwischen Hobby, Leidenschaft und Beruf.
Da ist uns die Renaissance mit dem selbstgefälligen l’art pour l’art dazwischen gekommen – die Kunst rückt ab vom Handwerk und verkommt zur Dekoration. Das hängt uns noch immer nach.

Irgendwann ist es zu einem Selbstverwirklichungsding geworden mit der Kunst. Wirkliche Literatur ist ja nur Indie-Literatur, weil die wollen dafür ja nichts haben.
Dafür ist Dalí von Breton aus der Surrealistengruppe geworfen worden.

Wenn man was zu sagen hat, ist es ernsthafte Literatur und Kunst. Unterhaltungsliteratur ist das was man an Verlage verkauft.
Lena macht Unterhaltungsliteratur, die was zu sagen hat.

Ich habe wenige Bücher, die mich in meinem Leben wirklich geprägt haben.
Aber das Leben wandelt sich und damit die Bücher, die einen beeindruckt. Man sucht nach anderen Dingen in den Büchern.

Es steckt Leidenschaft und Liebe zum Detail. Jeder, der Spiele entwirft macht das, weil er Spiele liebt.

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