Urheberrecht. Again.

Heute war ich bei der Digital Society in Wien zu einer Diskussionsrunde zum Thema “Freie Presse, Kunst & Urheberrecht”. Auf dem Panel waren Vertreter*innen von ISPA (Verein der Internet Provider in Österreich), Wikimedia, IG Autoren, Verein für Anti-Piraterie der Film- & Videobranche und Freischreiber. Es hat immerhin etwas über eine Stunde gedauert, bis der Moment gekommen war, an dem ich schreien wollte, aber dazu gleich noch.

Die Diskussionsrunde war sehr ausgewogen besetzt und die Standpunkte haben alle grundsätzlich ihre Berechtigung. Allerdings wurde auch bei dieser sehr kleinen Runde schnell deutlich, dass die gesamte Diskussion am eigentlichen Problem vorbei geht. So waren IG Autoren und der Verein für Anti-Piraterie der Film- & Videobranche einhellig der (laut vertretenen) Meinung: „ES GEHT NUR UM URHEBERRECHTSDURCHSETZUNG, ES GEHT NICHT UM UPLOADFILTER!“ Nun ja. Doch.

Sorry, but no sorry: An der Stelle klinkte ich mich dann das erste Mal in die Diskussion ein. Doch, genau darum geht es. Wie Claudia Garád von Wikimedia auch sehr richtig erklärte, leben wir in einer Zeit, in der die Demokratien rund um die Welt und nicht zuletzt in Europa deutlich bessere Zeiten gesehen haben. Das Recht auf freie Meinungsäußerung bewegt sich auf sein Ende zu parallel zum allgemeinen Rechtsruck, den die Demokratien überall gerade hinlegen. Da ist es nicht die sinnvollste Lösung, eine Technologie zu entwickeln und weltweit auszurollen, die in Nullkommanix dazu eingesetzt werden kann, jegliche (kritische) Äußerung im Netz einfach vor der Veröffentlichung einzukassieren und schlicht nicht auftauchen zu lassen. Den Filtern ist nämlich völlig schnurz, wer ihnen was füttert. Was sie einmal gelernt haben, dass es rausgefischt werden soll, wird gnadenlos rausgefischt. Sei es Satire, genehmigtes Zitat, Meme oder regierungskritischer Kommentar in einem Forum.

Es wird für das eigentliche Problem keine technische Lösung geben können. Das Problem ist nämlich kein technisches, sondern ein strukturelles im gesamten (Medien)System. Das eigentliche Problem ist die nicht vorhandene gerechte Vergütung von Künstler*innen und Autor*innen – und das wird in der ganzen Diskussion wenn überhaupt mal am Rand erwähnt. Da geht es, wie in den o.g. Äußerungen der beiden Vereine, immer um Rechtsdurchsetzung, um Urheberrechte, um Verlage und Plattenfirmen.

Weiters ist zu beobachten, dass der ganzen Diskussion ein – meines Erachtens – falsches oder zumindest sehr eingeschränktes Verständnis der Geschäftsmodelle von Google, Facebook und Co. zugrunde liegt. Die Plattformen verdienen kein Geld mit den eigentlichen Inhalten. Die Annahme “ich publiziere ein digital zugängliches Werk und Google und Facebook verdienen dann Geld damit” ist so nicht richtig. Die verdienen am eigentlichen Inhalt keinen Cent, sondern entweder mit Werbung, die sie drumrum (oder auch mittendrin) platzieren, oder mit der Auswertung und dem Verkauf von Metadaten, die mit der Konsumation des Werkes einhergehen (und die auch der Werbeschaltung zugrundeliegen) – also wer liest welchen Text wo, wie lange, mit welchem Gerät, welche anderen Seiten sind im nächsten Browserfenster offen, welche anderen Seiten hat die- oder derjenige vorher wie oft besucht, befindet sich die Person in einem fahrenden Zug, mit wem kommuniziert die Person, etc. pp. Dieses Verständnis für die Geschäftsmodelle sollte dringend in der Diskussion einen festen Platz bekommen, denn diese Geschäftsmodelle sind grundlegend dafür, wie das Internet mittlerweile funktioniert und bildet ganz eigene Abhängigkeiten, die viel weiter gehen als “die zeigen mein Werk und ich krieg kein Geld dafür”.

Tatsächlich geht es bei der ganzen Debatte allerdings genau darum, dass Musiker*innen, Künstler*innen, Autor*innen Kinder haben, die zur Schule gehen und vielleicht auf Klassenfahrt mitfahren wollen. Darum, dass diese Kinder etwas zum Anziehen brauchen, warme Schuhe für den Winter, etwas zu essen jeden Tag und vielleicht sogar ein Weihnachtsgeschenk. Es geht um konkrete Menschen, bei denen am allerletzten Ende der Kette gerade mal 4-8% von dem ankommen, was Leser*innen, Hörer*innen, Zuschauer*innen bezahlen. Die ganze Kette hat doch etwas, wenn von den € 12,90 Ladenpreis die Autorin nur 80 Cent erhält. Das Problem ist konkret, real und jetzt.

Wenn ich mal tot bin, interessiert es mich nicht mehr, bis wann mein Urheberrecht geht, es ist mir völlig egal, dass das Urheberrecht bis 70 Jahre nach meinem Ableben gilt. Im Gegenteil, ich finde es im täglichen Leben nur hinderlich; ich würde zum Beispiel gern öffentlich aus der deutschen Übersetzung von 1984 vorlesen wollen, doch das Werk ist hier noch immer urheberrechtsgeschützt, denn es gilt in dem Fall nicht einmal das Ableben des Autors, sondern des Übersetzers. Für die PrivacyWeek 2016 habe ich wochenlang versucht, die Rechte für eine öffentliche Lesung beim Verlag zu bekommen und nie eine Antwort erhalten. Außerdem: wenn Menschen mit anderen Handwerksberufen sterben, bekommen die Erben ja auch nicht jedes Jahr etwas ausgezahlt, nur weil das Haus, das der Großvater als Architekt designt hat, noch immer dekorativ im Stadtzentrum steht. Statt Urheberrecht bis 70 Jahre nach meinem Ableben hätte ich lieber jetzt mehr von dem, was meine Leser*innen für meine Bücher ausgeben. Und ich hätte nicht nur gern das von Herrn Ruiss (IG Autoren) lautstark zitierte Persönlichkeitsrecht, dass ich bestimmen kann, dass meine Texte nicht bei einer FPÖ oder AfD Veranstaltung vorgetragen werden dürfen, sondern ich hätte auch gerne das Recht zu sagen, dass ich nicht will, dass meine Leser*innen beim Lesen meiner Texte getrackt und die daraus entstehenden Daten verkauft werden. Das wäre mal etwas, das ins digitale Zeitalter passen würde.

Die Verlagsbranche steckt noch in den 1960ern, da werden #Uploadfilter überhaupt nichts ändern. Wie Peter Purgathofer in meinem Datenschutz Podcast so schön illustrierte: Die ersten Computer-Schreibprogramme sahen aus wie Schreibmaschinen: der Curser war immer am Ende des geschriebenen Textes und man konnte nur von hinten nach vorne weglöschen. Sie imitierten das Verhalten, das Schreibende von den bis dahin bekannten Schreibmaschinen kannten. Aber bald kam man drauf, dass das digitale Medium ganz andere Möglichkeiten eröffnete: mit dem Curser irgendwo in den Text gehen, ergänzen, ersetzen, … und heute haben wir mit Scrivener und Co. ganze Schreibumgebungen, die mit einer Schreibmaschine nahezu nichts mehr gemein, aber alle Möglichkeiten haben, die man sich als Schreibende/r nur wünschen kann.

Genau das muss bedacht werden, wenn es jetzt daran geht, das Urheberrecht zu reformieren. So wie die Buchbranche momentan läuft, halten die Verlage krampfhaft an den alten Modellen fest und versuchen, die analoge Maschinerie in die digitale Umgebung zu zwängen. Aber stattdessen brauchen wir etwas, das die Möglichkeiten, die völlig anderen Zusammenhänge und Mechanismen im Netz von vornherein mit bedenkt.

Natürlich ist es einfach, die ganze Debatte als Google- und Facebook-Bashing aufzuziehen. Aber das sind nur zwei Mitspieler auf einem verdammt großen Spielfeld mit 4 Dimensionen. Große Mitspieler, aber eben nur zwei davon. Es gibt aktuell über 6.000 Firmen, die Geld mit dem Handel von Metadaten und dem Abgleich von Cookie-Daten verdienen. Insgesamt sind Google und Facebook da noch unser kleinstes Problem. Aber alle wollen Google und Facebook schwächen und dafür die angestaubte Verlagsbranche ins digitale Medium übertragen.

Außerdem haben sie sich gerade zwei Umsetzungen ausgesucht, die mehr Probleme bringen, als sie lösen. Das Leistungsschutzrecht ist in Spanien und Deutschland bereits gescheitert, weil die, die es treffen sollte (Google), ratzfatz aus der Regelung ausgenommen wurden, nachdem Google sagte: So eine Regelung könnt Ihr schon machen, dann fallen Eure Inhalte eben bei uns raus. Und die Medienhäuser sagten: Ok, dann gilt das eben für alle außer Google! Stattdessen zahlen die Medienhäuser jetzt mehrere Millionen Euro, um € 30.000,- einzunehmen. Was genau soll die “big player” nochmal dazu bringen, dass sie das jetzt nicht wieder genauso spielen, nur weil dann “EU” dranseht?

Das noch größere Problem wären die viel zitierten Uploadfilter. Mit denen reißen wir gleich ganz andere Problemfelder auf. Die oben genannten, drohenden Zensurmaschinen sind keine Fiktion. Es ist nicht sehr lange her, dass in der NS-Zeit oder danach in der DDR freie Meinungsäußerung mit einem längeren Aufenthalt in einem Arbeitslager oder einem Stasi-Gefängnis endete. Und auch heute ist das keine abwegige Idee, im Gegenteil. Am Ende können wir nichtmal darüber schreiben, weil eine kritische Meinung irgendwem nicht passt & die Veröffentlichung durch eben diese Filter verhindert wird.

Ja, ich bin als Autorin von den Änderungen am Urheberrecht selbst betroffen. Ja, ich würde sehr gerne vom Schreiben leben können und natürlich sollen alle Kolleg*innen ihre Familen mit ihrem Handwerk ernähren und die Kinder zur Schule schicken können. Und genau darum geht es. Nicht, wie man die sperrige Verlagsbranche irgendwie in dieses Internet gequetscht kriegt, sondern wie man ein neues, ins digitale Zeitalter passendes Vergütungsmodell aufstellen kann, mit dem Künstler*innen und Autor*innen nicht mehr nur das Letzte in der Kette sind.

Mir ist der Preis zu hoch, den Leistungsschutzrecht (#linktax) und vor allem Uploadfilter mit sich bringen. Das ist nicht die Lösung für das Problem, sondern nur eine Auswucherung des Versuchs, die Medienindustrie ins Netz zu hieven. Davon hat niemand etwas außer den großen Plattformen, die jetzt bereits Uploadfilter im Einsatz und die Ressourcen haben, weitere zu bauen. Das Kapital müssten sie auch nur kurz auslegen, denn kleinere Plattformen werden weder das Geld noch die Ressourcen haben, um eigene Filter zu bauen. Stattdessen werden sie bei Google und Facebook Lizenzen für deren bereits im Einsatz befindliche Filter einkaufen. Und wie funktionieren Filter? Man lädt einfach alle Inhalte als Muster für den Abgleich in die Datenbanken der Filterhersteller hoch. Damit verfügen die “big player” dann ganz organisch binnen kürzester Zeit über alle Inhalte im Internet und sind jederzeit in der Lage, alles davon aus dem zugänglichen Netz verschwinden zu lassen.

Was mich immer wieder wundert ist der tiefsitzende Glaube, dass Technik die Probleme der Welt lösen wird. Ich habe ausreichend Technik scheitern sehen um überzeugt zu sagen, dass jede Technik Fehler hat. Uploadfilter mögen am Ende vielleicht zu 95 % akkurat laufen. Selbst wenn wir 99,8 % annehmen, kommt es hier auf das Verhältnis an. 99,8 % von angenommen 20 Milliarden Uploads weltweit pro Tag, da bleiben bei 0,2 % Fehlerquote 40.000.000, also 40 Millionen Fehler. Pro Tag. 40 Millionen Künstler*innen, die vielleicht ihre eigenen Texte/Musikstücke/Bilder nicht veröffentlichen können. 40 Millionen Familien, die vielleicht davon abhängen, dass dieses Stück an die Fans und Follower gelangt, damit auch im nächsten Monat die Miete bezahlt werden kann. Natürlich klingt 99,8 % nach viel und guter Trefferquote – solange man nicht zu den 0,2 %, also den 40 Millionen aus dem Beispiel zählt.

Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber es wird für das konkrete Problem, das in der Diskussion um die Urheberrechtsreform gerade mal am Rande erwähnt wird, keine technische Lösung geben können. Man kann keine sozialen Probleme mit Technik erschlagen.

Ein Vorschlag, der aktuell im Raum steht, ist z.B. eine Pauschalabgabe analog zur Festplattenabgabe, die dann an die Schaffenden verteilt werden könnte, so Julia Reda in der letzten Vienna Writer’s Podcast Episode. Andere Modelle sind eine (Teil)Finanzierung der Schaffenden via Crowdsourcing, zum Beispiel über Patreon oder Steady. Selfpublishing wird immer größer und liberalisiert den Markt, Autor*innen haben die Möglichkeit, (fast) direkt von ihren Leser*innen bezahlt zu werden (je nachdem, ob man Distributoren dazwischen haben will oder nicht). Es gibt viele Ansätze und es wird sich auch im Digitalen ein gangbarer Weg entwickeln lassen. Ein Modell, das in dieses Internet passt. Die TAZ lebt es ebenfalls bereits seit Jahren vor und bestreitet mittlerweile einen guten Teil ihrer Finnzierung durch die Paywahl (statt Paywall). Crowdsourcing ist ein Weg, den ich mir beispielsweise sehr gut vorstellen kann.

Manchmal muss man nicht immer mehr verbieten, sondern ein bisschen loslassen und eine natürliche Entwicklung zulassen können. Ja, wir brauchen Regelungen. Aber wir brauchen auch etwas Spielraum, um diejenigen einzubinden, die es ebenfalls trifft, die in der Debatte bisher aber nur als Störelement vorkommen: die Leser*innen, die Hörer*innen, die Zuschauer*innen. Nicht umsonst haben sich Plattformen wie Patreon und Steady entwickelt, denn die überwiegende Mehrheit der Menschen möchte den Schaffenden – ebenso wie Onlinemedien – eine Vergütung zukommen lassen. Autoren wie z.B. Cory Doctorow verkaufen ihre Bücher auf ihrer eigenen Website, weil sie damit 30 % mehr verdienen, als über Amazon. Es gibt Alternativen und gangbare Modelle überall im Netz, man muss sie nur sehen wollen und daraus lernen, wie es in Zukunft gehen kann. Und ganz bestimmt gibt es noch Möglichkeiten, die erst noch erdacht werden.

Ich bin optimistisch, dass es funktionieren kann, von der Kunst zu leben. Der Trend geht ja dort hin, wenn auch langsam. Mit einem freien und kreativen Internet können wir das schaffen. Nur Leistungsschutzrecht und Uploadfilter müssen wir vorher noch verhindern und uns an der Diskussion beteiligen, aus der Schaffende und Konsument*innen bisher offenbar herausgehalten werden.

Seid laut, redet mit.

#Urheberrecht #SaveYourInternet #article11 #article13

Ich freue mich über Euren Support

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Noch mehr Angst vor Google-Monopol

Just bei heise online gelesen:

Die Einigung im Urheberrechtsstreit zwischen Google und der US-amerikanischen Autoren-Organisation The Authors Guild sowie der Association of American Publishers (AAP) über die digitale Büchersammlung Google Books stößt in den USA auf Kritik. Das Internet Archive, das neben seiner Datenbank mit historischen Websites so wie Google ein Buchscan-Projekt betreibt, befürchtet, der Internet-Dienstleister könne sich durch die Einigung ein Monopol bei “orphan works” sichern, also bei Büchern, deren Rechteinhaber nicht auffindbar, verstorben oder aus anderen Gründen nicht verfügbar sind. Daher hat sich das Internet Archive an das Bundesbezirksgericht in New York gewandt, das am 11. Juni über die Einigung entscheiden will.

Offenbar ist das Internet Archive auch nicht der einzige Kritiker – schon zuvor hatte eine Gruppe von Rechtsexperten der Harvard Law School dem New Yorker Gericht ihre Einwände mitgeteilt und auch die Universität Chicago meldete Bedenken an, Google könnte als Monopolist auf digitale Texte im Internet aus der Sache heraustreten.

Hier geht’s zum Artikel.

Google, Google über alles…

Die Diskussion um Google Books ist noch immer nicht abgeklungen, die FAZ und verschiedene Blogs lassen ihre Gegenstimmen hören. Gleichzeitig liest man in den heise news, dass die Google Führungsspitze nur 1,-$ Jahresgehalt bekommt. Nahezu kostengünstig, bedenkt man die Millionengehälter anderer Wirtschaftsbosse. Allerdings steht gleich im nächsten Satz, dass die Aktienpakete der drei Herren Milliarden wert sind. Fotos für’s StreetView werden auch wieder gemacht und zusammen mit Quantcast soll das Surfverhalten der Internetnutzer weiter “erforscht” werden.

Ich werde das Gefühl nicht los, Google ist ein typisches amerikanisches Unternehmen – von der “Weltpolizei” zur “Internetpolizei” und das ganze getarnt als omnipräsenter und universeller Service, so dass die Nutzer ganz freiwillig all ihre Daten hergeben. *kopfschüttel* In meinem Kopf naht gerade ein rot-blau-gelb-grüner Kubus und ich höre die blecherne Durchsage: “Wir sind die Google – Widerstand ist zwecklos.”

*kopfschüttel*

ebooks reloaded

Tja, kaum sind eBooks nun wirklich auf dem deutschsprachigen Markt eingezogen, bleiben die hitzigen Debatten auch nicht aus.

Da ich persönlich ja einen stark ausgeprägten Technikfimmel habe, bin ich natürlich FÜR die Digitalisierung des Buches, wobei ich einige Printausgaben auch nicht missen möchte. Aber für Bestseller, die man mal eben einmal und nie wieder liest, ist das eBook eine super Lösung! (Seinerzeit im Studentenwohnheim wurden die ersten vier Potter-Bände auf einem PalmPilot gelesen!)

In Österreich gibt es ja bereits seit Dezember 2008 das HIXBOOKS-Projekt. Das Prinzip ist simpel und doch ergreifend: Man kann eBooks im normalen Buchhandel kaufen. Man geht in eine der kooperierenden Buchhandlungen die es in allen Bundesländern gibt, drückt dem Buchhändler das Lesegerät in die Hand und sagt, was man gerne hätte. Dieser lädt einem die gewünschten Titel auf den Reader und dann geht man zur Kasse und bezahlt. Man hat noch das “echte Buchkauf-Feeling”! Alternativ kann man die Titel auch selbsttätig im Internet erwerben.

Amazon hat es immerhin mit seinem Kindle als Softwarelösung bis auf’s iPhone geschafft. So far, so good. Aber es geht noch besser: Während wir in Europa uns gerade noch mit dem “neuen” digitalen Medium herumschlagen, ist in Japan schon der nächste Schritt vollzogen: der neue eBook-Reader Flepia stellt auf der ePaper-Farbdisplay (8 Zoll, 1024 × 768) 260.000 Farben dar. Er hat einen USB-2.0-Port, WLAN 802.11 b/g, Bluetooth 2.0+EDR und einen SDCard-Slot für Module mit bis zu 4 GB. Der Akku soll bis zu 40 Stunden Dauerbetrieb aushalten und es ewrden die Formate PDF, HTML, TXT, Word, Excel, Powerpoint, XMDF-E-Book und diverse Grafikformate wie JPEG, BMP und TIFF unterstützt, was Amazons Kindle wohl die Hosen ausziehen dürfte. Einziger Nachteil: umgerechnet kostet das gute Stück um die 770,-€. Irgendwas ist ja immer… (via heise online)

Ich kann mich da nur dem sehr netten Artikel in der FAZ anschließen: Hat denn die Welt nichts aus der Bruchlandung Bruchlandung der Musikindustrie gelernt??? Zitat FAZ: “Es frappiert, dass man offenbar gar nichts aus der Bruchlandung der Musikindustrie gelernt hat und exakt dieselben Fehler wiederholt: unrealistische Preisvorstellungen, Formatewirrwarr und Gängelung des Kunden durch rigides „Digital Rights Management“ (DRM). Dabei sind als Datenbündel alle Medien gleich. Mit welchem Verlag man aber auch spricht, überall herrscht die nicht näher zu begründende Hoffnung vor, diesmal sei alles anders, setze sich der legale Downloadmarkt durch.”

(eingeschobener Nachtrag: wo wir gerade bei sinnlosem DRM waren… ^^)

Also selbst als Autor habe ich da noch keine größeren Bedenken. Ob ich jetzt mit oder ohne digitalen Versionen meiner Werke nicht vom Schreiben leben kann, macht für mich jetzt irgendwie keinen Unterschied.

60$ für jedes Buch

Soviel gibt es pro Buch und Autor dank der Einigung der Authors Guild und die Association of American Publishers auf einen Vergleich mit Google. Mindestens, es können immerhin bis zu 300,-$ werden.

Was das genau für die deutschsprachigen Autoren bedeutet, habe ich – zumindest auf den ersten Blick – noch nicht gefunden.

Alle wichtigen Infos gibt’s auf googlebooksettlement.com

via heise online

Google vs. Kulturrat – der Kampf um die Rechte am Buch

“Es ist ein Unding, dass ein Unternehmen wie Google über Jahre hinweg unter Missachtung der Rechte der Urheber und Verlage sieben Millionen Bücher digitalisiert”, betonte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann. So steht es in einer Meldung vom Montag auf heise online.

Kurz: es geht um Googles Buchsuche books.google.de. Für’s Studium finde ich die Suche natürlich super, sofern die Bücher, die ich brauche auch wirklich in digitaler Form vorliegen. Daraus zitieren kann ich für universitäre Arbeiten eh nicht, aber wenigstens reinlesen, ob das gefundene Buch auch tatsächlich für gewisse Fragestellungen infrage kommt, bevor ich einen zweitausend-Seiten-Wälzer nach Hause schleppe und dann feststelle, es steht eh nichts Wichtiges drin…

Andererseits verstehe ich – als selbst schreibender Mensch – die Bemühungen der VG Wort und des Deutschen Kulturrates, dass die Rechte an den Büchern geschützt gehören; ganz abgesehen von einer ganzen Armada von Alpträumen bezüglich Plagiatismen…

In den USA hat Google bereits im vergangenen Oktober einen zweijährigen Rechtsstreit mit einer Zahlung von 125 Millionen$ beenden dürfen. Mit der Summe soll ein “Buchrechte-Register” erstellt und die Forderungen und Verfahrenskosten der Kläger beglichen werden. Freundlicherweise erhalten Autoren und Verlage eine Vergütung und sogar die Kontrolle über den Zugang zu ihren Werken!

Ich weiß nicht, so benutzerfreundlich Google auch ist, aber so langsam (ja, eine Untertreibung, ich weiß…) sollte dieses Internet-Monopol mal wieder zergliedert werden… *kopfschüttel*

Urheberrechtler wirft das Handtuch

Wie auf heise online just zu lesen ist, wirft der US Urheberrechtler William Patry das Handtuch und hat mit 1. August sein Copyright Blog geschlossen. Die Gründe dafür seien zum Einen, dass es trotz Disclaimer immer wieder zu Verwechslungen seines Blogs mit seinem Arbeitgeber Google gab, für welchen er als Copyrightexperte arbeitet. Zum anderen sieht Party das Urheberrecht in einer Sackgasse. Auf heise online ist zu lesen: “Nach 26 Jahren Tätigkeit im Bereich Urheberrecht und 800 Postings in vier Jahren auf seinem Blog sei er es leid, schrieb Patry zuletzt, als ewiger Dissident auftreten zu müssen. Als Urheberrechtler von Beruf halte der den Schutz von Werken, insbesondere im Bereich der kommerziellen Film-, Musik- und Verlagswirtschaft für essenziell, allerdings in der richtigen Dosis. Seiner Meinung nach sei man davon inzwischen weit entfernt. “Wir sind längst weit überhalb der Dosis, die der Gesundheit zuträglich ist und befinden uns im Stadium einer ernsthaften Krankheit”, schreibt Patry.
Das Urheberrecht habe seinen eigentlichen Daseinszweck verloren, nämlich einen Anreiz für neue Werke zu bieten. “Stattdessen fungiert es inzwischen hauptsächlich als Absicherung gescheiterter Geschäftsmodelle, als Unterdrückung neuer Geschäftsmodelle und Technologien und dafür, soweit möglich, Gewinnmitnahmeeffekte aus Aktivitäten zu erzielen, die den Rechteinhabern nicht nur nicht schaden, sondern Nutzen bringen”, schreibt Patry mit einem Seitenhieb auf den Antipirateriekampf der Unterhaltungsindustrie. Das Urheberrecht könne man nie wieder in seinen Ursprungszustand zurückversetzen, zuviele multilaterale Abkommen und Handelsverträge sicherten das ganz bewusst ab.”

Reich werden als Autor

Oder zumindest nicht verhungern – dabei helfen nun angeblich die Verwertungsgesellschaften. Aber was genau tun die nun? Ich hab al ein wenig reingelesen, aber dieser Artikel hier hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

Werwertungsgesellschaften wie etwa die deutsche GEMA oder in Österreich die AKM kümmern sich darum, dass der Urheber eines aufgeführten oder anderweitig genutzten Werkes entsprechend entlohnt wird. Im Wiki-Artikel heißt es: “Verwertungsgesellschaften sind private Einrichtungen, denen zur Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben in vielen Ländern eine gesetzliche Monopolstellung zugewiesen wurde. Ihr Charakter liegt zwischen der quasi-gewerkschaftlichen Funktion einer Solidargemeinschaft der Urheber gegenüber den wirtschaftlich stärkeren Rechteverwertern und einer quasi-amtlichen Funktion, die Einhaltung der Meldepflicht von Vervielfältigungsstücken, öffentlichen Aufführungen und – mit dem neuen Medium Radio – auch der Sendung zu kontrollieren.”

Für Autoren heißt das, dass von den Nutzern der Texte Gebühren eingehoben und dann an die Autoren ausbezahlt werden. Gerade interessant wohl auch für den wissenschaftlichen Bereich, aber auch für alle anderen Buch- und besonders Drehbuchautoren. Denn für jede öffentliche Vorführung (=Nutzung) ist bei den Verwertungsgesellschaften meldepflichtig und das bedeutet Geld in den Sparstrumpf des Autoren.

Die wahrscheinlich für Autoren interessantesten Verwertungsgesellschaften sind wohl:

Deutschland: VG Wort

Österreich: literar mechana & AKM

Schweiz: ProLitteris

Um einmal grundlegende Erkundungen einzuholen und weil ich ja auch schon ein Buch veröffentlicht habe, schrieb ich ein Mail an die literar mechana und bekam noch am selben Tag eine erfreulich nette Antwort. “Da auch nicht mehr im Handel erhältliche Bücher in öffentlichen Bibliotheken
einstehen und dort entlehnbar sind, rate ich Ihnen, den Beitritt noch heuer
durchzuführen.”

Die freundliche Dame beziet sich auf die Bibliothekstantiemen, die ebenfalls von den Verwertungsgesellschaften eingehoben werden. Ebenso die Gebühren für öffentliche Lesungen, Reprographien, etc.

Der Beitritt zur literar mechana kostet einmalig 20,-€, bei der AKM sind es einmalig 75,-€; die VG Wort ist komplett kostenlos. Ich hab mich gleich mal registriert – ging ganz flink und tat auch nicht weh.

Übrigens haben wohl mittlerweile alle Verwertungsgesellschaften praktische Onlinemeldesysteme, bei denen man seine Werke direkt eingeben kann. Ich werde berichten!

Creative Commons

Gerade bei Webinhalten wie zum Beispiel einem Blog ist die Nennung des Copyright wichtig. Aber überall ein © dranzuschreiben sieht schon sehr paranoid aus. Eine elegante und rechtlich sichere Lösung ist Creative Commons. Man kann mehrere Lizenzen wählen; beispielsweise das Erlauben der kommerziellen Nutzung oder der Bearbeitung des Inhaltes, sowie die jeweils gültige Rechtsordnung. Optional kann man die Lizens auch noch weiter personalisieren mit Angaben über Format, Titel, etc.

Der Service ist kostenlos und leicht zu nutzen. Einfach auf “Lizenzvertrag auswählen” klicken, und schon hat man den HTML-Code, den man nur noch an passender Stelle einfügen muß. ->

Creative Commons License

Mit mehreren Grafiken und vielen Sprachen zur Auswahl und außer für HTML auch noch in weiteren Formaten zu haben. Praktische Sache!